Sichere Dimensionierung
Neue Klimadatensätze des Deutschen Wetterdienstes sind räumlich präziser und bilden die Basis für eine korrekte Gebäudesimulation
Mithilfe von Testreferenzjahren lässt sich in der Planungsphase das thermische Verhalten von Gebäuden bezogen auf einen bestimmten Standort bewerten. Der Deutsche Wetterdienst hat dafür im Rahmen eines Forschungsprojekts die Datenbasis verbessert, aktualisiert und Phänomene wie städtische Wärmeinseln und Höhenlagen direkt integriert. Für jeden Quadratkilometer des Bundesgebiets liegen jetzt solche Datensätze vor.
Testreferenzjahre, kurz TRY (Test Reference Year), enthalten für jede Stunde eines Jahres eine Vielzahl meteorologischer Daten. Sie sollen damit einen durchschnittlichen, für das Jahr typischen Witterungsverlauf an einem bestimmten Standort wiedergeben. Zusätzlich sind Daten extrem verlaufender Sommer- bzw. Winterhalbjahre hinterlegt. Planer und Ingenieure nutzen solche Datensätze vor allem für heizungs- und klimatechnische Simulationen und Berechnungen von Gebäuden und TGA-Anlagen.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat jetzt neue, räumlich hochauflösende Testreferenzjahre veröffentlicht, wie der BINE Informationsdienst mitteilt. Forscher erstellten für jeden einzelnen Quadratkilometer des Bundesgebiets individuelle TRY-Datensätze. Dafür interpolierten sie Daten von meteorologischen Stationen, Satelliten und Modellen, sodass die räumliche Genauigkeit verlässlichere Aussagen zu den klimatischen Verhältnissen am Untersuchungsort ermöglicht als die bisherigen Klimadaten. In die neuen TRY-Datensätze ist auch der Einfluss städtischer Ballungsräume auf die Lufttemperatur und auf Feuchtegrößen integriert.
Nach wie vor bestehen die Testreferenzjahre aus Datensätzen ausgewählter meteorologischer Parameter für jede Stunde eines Jahres. Jeder dieser Datensätze setzt sich aus 8760 Einträgen im ASCII-Format zusammen und enthält u. a. Angaben zu:
- Bedeckungsgrad,
- Windrichtung und Windgeschwindigkeit,
- Lufttemperatur,
- Wasserdampfgehalt und relative Feuchte,
- direkte und diffuse Sonnenbestrahlungsstärke bezogen auf die horizontale Fläche,
- Bestrahlungsstärke der atmosphärischen Wärmestrahlung bezogen auf die horizontale Fläche,
- spezifische Ausstrahlung der Wärmestrahlung der Erdoberfläche.
Neu sind die Angaben zu kurzwelliger Strahlung und Globalstrahlung. BINE: „Diese Informationen sind vor allem für die Planung von Solarthermie- und Photovoltaikanlagen relevant, sollten aber auch bei der Betrachtung des Innenraumklimas berücksichtigt werden.“
Für die Testreferenzjahre wurde, wie bisher auch, eine Auswahl realer Witterungsabschnitte so zusammengefügt, dass die Monats- und Jahreszeitenmittelwerte der Lufttemperatur und der Globalstrahlung möglichst gut mit den langjährigen Mittelwerten übereinstimmen. Die Basisperiode wurde auf den Zeitraum 1995 bis 2012 aktualisiert.
Um heiz- und raumlufttechnische Anlagen auch für extreme Belastungen auslegen zu können, stehen Datensätze für je ein Jahr mit einem sehr kalten Winterhalbjahr (Oktober bis März) und einem sehr warmen Sommerhalbjahr (April bis September) zur Verfügung. Bei beiden handelt es sich um einen realen Jahreszeitraum.
Zusätzlich wurden Testreferenzjahre auf Basis von Klimamodellen für den Zeitraum 2031 bis 2060 entwickelt. Diese enthalten sowohl die mittleren als auch die extremen Testreferenzjahre und sind mit dem Aufbau der übrigen TRY-Datensätze identisch.
Der DWD hat die Datensätze im Internet hinterlegt. Sie können kostenfrei heruntergeladen werden (https://kunden.dwd.de/obt). Zur Nutzung ist lediglich ein User-Account einzurichten.
Autorin: Dorothee Gintars
(BINE Informationsdienst)