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Rasantes Marktwachstum

Das Kesseltauschgeschäft läuft trotz Corona stabil, aber nicht für jeden Brennstoff gleich gut. Insbesondere die Pelletbranche profitiert von den derzeit guten Rahmenbedingungen. Ein Interview

Die Pelletproduktion hält mit der starken Nachfrage nach Kesseln problemlos mit.

Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV) und dessen Tochtergesellschaft Deutsches Pelletinstitut GmbH (DEPI). 12/2020 www.ikz.de

Pellets halten zu Heizöl in den letzten Jahren durchschnitlich einen Preisvorteil von rd. 30 %. Ab dem nächsten Jahr werden fossile Brennstoffe mit einer CO2-Abgabe belastet.

Pelletkessel einbauen und richtig einstellen – kein Problem für einen geschulten Fachbetrieb.

 

Nach Jahren der Stagnation boomt derzeit der Absatz von Pelletheizungen. Allein im ersten Halbjahr stand ein Plus von 150 % zu Buche. Parallel dazu wurde die Produktion des heimischen Brennstoffs gesteigert. Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV) und dessen Tochtergesellschaft Deutsches Pelletinstitut GmbH (DEPI), äußert sich im Interview mit unserer Redaktion über die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung – und die Relevanz qualifizierter SHK-Fachbetriebe in dem Segment.

IKZ-HAUSTECHNIK: Der Absatz von Pelletheizungen ist dem Vernehmen nach in den ersten 6 Monaten um 150 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Konkret gefragt: Von wie vielen Pelletkesseln sprechen wir?

Martin Bentele: Im ersten Halbjahr 2020 hatten wir laut BDH-Zahlen in der Tat einen Zuwachs von 150 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei den Pelletkesseln. Das ist ein Wort! Dennoch sind die Stückzahlen mit 13 000 noch sehr niedrig, zum Beispiel im Vergleich mit der Luftwärmepumpe. Es wurden sogar noch mehr Ölbrennwertheizungen im gleichen Zeitraum verkauft, was schon verwundert. Wenn ich einen Wunsch hätte, dann den, dass wir hier am Jahresende mit der Pelletheizung erstmals die Nase vorn haben. Ich bin zuversichtlich und sehe momentan keine direkten wachstumshemmenden Einflüsse, wobei man zugeben muss, dass die Kesselhersteller wirklich „am Anschlag“ produzieren.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wo liegen die Gründe für dieses Wachstum?

Martin Bentele: Diese aktuell besonders positive Situation für die Pelletbranche begann schon im September 2019, als die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer ein „weg vom Öl“ und eine „Abwrackprämie“ öffentlich machte. Das kam bei den Menschen an. Nachdem die Bundesregierung dann zum Jahresbeginn mit einem neuen Marktanreizprogramm (MAP) den Tausch der Ölheizung mit 45 % der Investitionskosten bezuschusste, haben die Verbraucher reagiert und den Heizungsbauer kontaktiert. Dabei hat die Corona-Situation die Menschen bestärkt, in die eigenen vier Wände zu investieren und nicht in Autos oder Fernreisen. Davon hat die Pelletbranche stark profitiert, wie das Marktwachstum zeigt. Der ein oder andere wird auch vom CO2-Preis gehört haben, der ab dem nächsten Jahr fossile Brennstoffe wie Öl und Gas in mehreren Stufen teurer macht. Holzbrennstoffe wie Hackschnitzel oder Pellets sind davon nicht betroffen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Ist die Pelletproduktion in Deutschland auf die sich abzeichnende steigende Nachfrage vorbereitet oder droht mittelfristig die Gefahr einer Abhängigkeit von ausländischen Anbietern?

Martin Bentele: Deutschland ist das Holzland schlechthin in Mitteleuropa. Durch die hohe Sägewerksdichte gibt es auch Holzspäne, den Grundstoff für die Pelletproduktion, in großen Mengen. Das zeigt sich daran, dass Deutschland mit 2,8 Mio. t Pellets 2019 weltweit die Nr. 3 ist. Die Menge kann aber problemlos aus heimischem Rohstoff gesteigert werden, wie wir dieses Jahr sehen, da wir wohl erstmals über 3 Mio. t produzieren werden. Trotzdem ist noch weiterer Spielraum nach oben und zwar nachhaltig!

Dass wir nicht von importierten Pellets abhängig sind, lässt sich daran erkennen, dass Deutschland seit Jahren Nettoexporteuer von Pellets ist. D.h., es werden mehr Pellets exportiert als importiert. Die wichtigsten Märkte – in beide Richtungen – sind aber nach wie vor unsere direkten Nachbarn, im Export auch Italien, wo die beliebten Pelletkaminöfen mit Sackware befeuert werden.

IKZ-HAUSTECHNIK: Die Wälder sind voller Abfallholz, weil der Borkenkäfer ganze Landstriche befallen hat. Was spricht dagegen, dieses Überangebot zu Brennstoff zu verarbeiten und damit zu veredeln?

Martin Bentele: Erst einmal nichts. Holz, das nicht mehr stofflich – also für die Bau- oder Möbelindustrie – genutzt werden kann, trägt bei der Verbrennung in modernen Feuerungen zum Klimaschutz bei. Würde es im Wald bleiben, entstünde die gleiche Menge CO2 wie bei der energetischen Nutzung. Holz verbrennt per se daher CO2-neutral. Natürlich kommt für die Herstellung von Pellets oder Hackschnitzeln noch Energieaufwand hinzu – das ist aber weit weniger als für die Bereitstellung von fossilen Brennstoffen. Zur Klimaneutralität kann man eigentlich nichts Besseres machen, als mit Pellets heizen. Das heißt, das CO2-Einsparpotenzial ist beim Ersatz von Öl durch Holz zur Wärmegewinnung so hoch wie bei keiner anderen Sanierungsmaßnahme im Gebäude.

Bei der Auswahl des Rohstoffs muss man allerdings schauen, dass nicht jede Art von Schadholz zu Pellets verarbeitet werden kann. Es muss frei von Rinde und anderen Verunreinigungen sein – daher sind Sägespäne immer noch das beste Ausgangsmaterial. Wichtig ist mir noch, darauf hinzuweisen, dass durch das Sturm- und Käferholz der reguläre Einschlag von Holz in Deutschland gesunken ist. Weder der Bedarf für beides ist da noch das Personal. Es ist so mancherorts schon schwierig, Käferholz aus dem Wald zu schaffen, bevor sich die nächste Generation der Schadinsekten niederlässt.

IKZ-HAUSTECHNIK: In der Regel hat eine steigende Nachfrage immer auch Preisanpassungen zur Folge – meist nach oben. Welche Prognose wagen Sie für den Pelletpreis in den kommenden Jahren?

Martin Bentele: Die breite Verfügbarkeit von Sägerestholz äußert sich auch in einem sehr konstanten Preisverlauf. In den letzten Jahren waren wir durchschnittlich 30 % unter dem Ölpreis. Der Markt für Pellets ist transparent und funktioniert nach Angebot und Nachfrage. Da aber genügen Rohstoff vorhanden und auch die Kapazitäten der deutschen Pelletwerke nicht ausgeschöpft werden, sehe ich hier keine besorgniserregende Entwicklung. Im Gegenteil, die Hersteller haben sich in den letzten eher durchschnittlichen Jahren sogar in Sachen Werkserweiterung oder sogar Neubau engagiert – damals eher durch die Nachfrage im Aus- als im Inland getrieben, was für die Wärmewende in Deutschland schon ein Armutszeugnis war. Ziel muss doch sein, dass wir regional vorhandene Ressourcen auch selbst nutzen.

IKZ-HAUSTECHNIK: In früheren Zeiten gab es vereinzelt Qualitätsprobleme mit dem Brennstoff Pellets. Hat sich das Thema mit der Einführung der Qualitätsklasse ENplus A1 inzwischen erledigt?

Martin Bentele: Kurze Antwort: Ja. Lassen Sie mich etwas weiter ausholen: In der Vergangenheit waren häufige Probleme bei Pellets ein zu großer Feinanteil im Lager sowie Probleme bei der Verbrennung in Form von Verschlackungen. Beides wird durch die ENplus-Zertifizierung vermieden. Die Ascheerweichungstemperatur – Hauptgrund für Schlackebildung – darf bei ENplus-Pellets der Klasse A1 nicht über 1200 °C liegen. Hier gehen die Anforderung des Programms deutlich über die Norm hinaus, in der es gar keine Vorgaben für diesen Wert gibt. Der Feinanteil in den Pellets wird hauptsächlich durch drei Maßnahmen verringert: Mehrmaliges Absieben der Pellets bei Herstellung und Transport sowie die regelmäßige Schulung der Pelletfahrer fürs richtige Einblasen in den Lagerraum erfolgen auf der Brennstoffseite. Über unsere Schulungs- und Informationsmaterialien – Stichworte Lagerbroschüre des DEPV und Pelletfachbetriebe im SHK-Handwerk – entwickeln wir Vorgaben für den richtigen, d. h. qualitätsschonenden und sicheren Lagerbau. Unsere Mitgliedsunternehmen aus Lager- und Kesselbau waren in den letzten zehn Jahren natürlich auch fleißig und haben praktische Fertig-lagersysteme entwickelt, die ebenfalls die Pellets schonen und unbeschadet zum Kessel bringen. Sie sehen, das Heizen mit Pellets ist ein etwas komplexerer Vorgang, bei dem alle Beteiligten gut geschult sein müssen, damit alles perfekt ineinander greift und der Kunde den gewohnten Komfort seiner alten fossilen Heizung auch mit Pellets genießen kann. Daher ist die Qualifizierung des SHK-Handwerks uns auch so wichtig (Anmerkung der Redaktion: siehe Kasten).

IKZ-HAUSTECHNIK: Kritiker werfen auch heute noch gern das Thema Feinstaub in die Waagschale, wenn es um Holzheizungen geht. Berechtigter Einwand oder hartnäckiges Vorurteil?

Martin Bentele: Ein hartnäckiges Vorurteil, wenn es um moderne Holzfeuerungen geht! Das Problem beim Feinstaub aus Holzverbrennung sind nicht die automatisch betriebenen Pellet-, Hackschnitzel- oder Scheitholzkessel, sondern veraltete Stückholzkaminöfen, die oftmals zudem falsch bedient werden. Von dort stammen rd. 80 % des Feinstaubs aus Holzfeuerungen.

Pelletfeuerungen – Kessel und Kaminöfen – haben als moderne Heizungsanlagen mit einem schlichten Kaminofen wenig gemeinsam. Da Brennstoffmenge und Verbrennungsvorgang vollautomatisch aufeinander abgestimmt sind, wird eine vollständige Verbrennung mit effektivem Abbrand ermöglicht. Das bedeutet kaum noch Staubemissionen.

Zudem unterstützt ein qualitativ hochwertiger Brennstoff die schadstoffarme Verbrennung. Dazu kommen die strengen Grenzwerte in der 1. BImSchV, die bei modernen Holz- und Pelletkesseln mit einer zweijährigen Praxismessung verbunden sind. Im Gegensatz zu den Kamin öfen müssen diese Anlagen beweisen, dass kaum noch Staub emittiert wird.

IKZ-HAUSTECHNIK: Speziell für Großanlagen gab es Überlegungen für die Produktion von XXL-Pellets. Wird das Vorhaben noch weiter verfolgt?

Martin Bentele: Was Länge oder Durchmesser angeht, sind mir hier keine Projekte im größeren Maßstab bekannt. Industriepellets, die z. B. auch in Kohlekraftwerken mitverfeuert werden können, sind in Deutschland aufgrund des Kohleausstiegs aber durchaus in der Diskussion. In Großbritannien wird das ja schon im großen Stil mit Industriepellets aus Nordamerika betrieben. Diese Industrieware kann aber mit unseren heimischen Wärmepellets nicht mithalten. Es handelt sich hier im Grunde um unterschiedliche Produkte, deren Handelsmärkte auch nichts miteinander zu tun haben. Die Nachhaltigkeit muss natürlich in jedem Fall gesichert sein.

Bilder: Deutsches Pelletinstitut

Qualifizierung zum „Pelletfachbetrieb“online

Das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) bietet seit 2011 in Kooperation mit dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) die Qualifizierung zum „Pelletfachbetrieb“ an. Zielgruppe der Qualifizierung sind beim Thema Pellet- und Holzheizung kompetente und erfahrene SHK-Unternehmen, die ihr Fachwissen auch nach außen sichtbar machen möchten. Aber auch Neueinsteiger können sich nach und nach weiterbilden. Ein guter Einstieg sind die zwei Online-Schulungen des DEPI, die vom Wald über die Pelletproduktion bis hin zu Förderung und Lagerbau alle wichtigen Aspekte thematisieren. Zusätzlich muss eine Technikschulung bei einem im DEPV organisierten Kesselhersteller absolviert werden. Wenn dann noch fünf Pelletheizungen installiert wurden, werden die geschulten Betriebe zentral in der beim Endkunden beworbenen Online-Datenbank www.pelletfachbetrieb.de gelis tet. Dort sind sie per Postleitzahl-Suche zu finden. Alle drei Jahre muss das Fachwissen mit einer kompakten Online-Schulung erneuert werden. Alle Schulungen und auch die Listung sind kostenlos.

Informationen, Termine sowie das Formular zur Anmeldung findet sich auf der Website des DEPI unter www.depi.de › Fachbetrieb werden.

 


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