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Pro & Contra: Förderstopp von Öl- und Gasheizungen?

Auf politischer Ebene wird das Ziel verfolgt, den CO2-Ausstoß im Gebäudebereich mittel- und langfristig drastisch zu reduzieren. Dazu bedient sie sich unterschiedlichster Mittel, etwa der Reduzierung des maximalen Primärenergiebedarfs insbesondere für Neubauten. Sie schafft aber auch Anreize, den Energieverbrauch im Gebäudebestand zu reduzieren, z. B. mit der Förderung von energiesparenden Maßnahmen. Bestimmte Programme der KfW (Förderbank des Bundes) bieten den Immobilienbesitzern Zuschuss- und Finanzierungsmöglichkeiten (zinsverbilligte Kredite). Zu den förderfähigen gebäudetechnischen Anlagen im Gebäudebestand zählen beispielsweise Biomasseanlagen: Wer seinen alten Wärmeerzeuger z. B. gegen einen Pelletkessel ersetzt, erhält wahlweise einen Zuschuss oder einen Kredit. Ähnliches gilt für den Einsatz von Wärmepumpen und Solarthermieanlagen. Bei der KfW findet sich darüber hinaus das Programm „Energieeffizient Sanieren“ (ebenfalls Kredit- und Zuschussvariante). Hier werden Lüftungsanlagen gefördert, aber auch fossile Wärmeerzeuger, also Öl- und Gasheizkessel. Vor einigen Monaten wurde der Zuschuss von 10 auf 15 % erhöht. Der Sanierer erhält somit maximal 7500 Euro je Wohneinheit. Unterm Strich wird mit diesen Programmen der CO2-Ausstoß reduziert. Doch Kritikern geht das alles nicht weit genug. Ganz im Gegenteil: Gas- und Ölheizungen sollten aus der Förderung herausgenommen werden – selbst Brennwertgeräte. Sie sind der Meinung, es müsse ein gänzlich anderer Ansatz greifen.

Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie e.V. (BDH)

 

Pro

Hop oder top! Benutzen Sie den Spruch gelegentlich, wenn es nicht vorwärts geht und die Richtung doch klar ist? „Top“ meint die Ausrichtung auf das lohnende Ziel, aber was bedeutet „hop“? Der weltweite Wissensspeicher weiß eine Antwort – gut aus ex und hopp bekannt – die sich auf hoppen „wegwerfen“ bezieht. In diesem Sinne bedeutet es also: Jetzt mach was draus oder du kannst es vergessen (= „in die Tonne treten“).
Der BDH beziffert die Anzahl der Heizungen, die zum Teil fast die Hälfte des kostbaren Brennstoffs nicht in wohlige Wärme umsetzen, auf 2. Mio. Sie gehören in die Tonne oder besser – ordentlich recycelt. Aber wie sag ich’s dem Kunden, wenn er an seinem alten Schätzchen hängt und sein Geld lieber ins Auto oder in die Küche steckt? Mit Aufklebern auf dem Heizkessel haben wir es jetzt schon versucht, mit Plakaten, die selten jemand ansieht, auch. Also probieren wir es in Deutschland mit ein bisschen staatlicher Förderung – Abwrackprämie lässt grüßen.
Komisch – sonst meinen wir doch auch, dass unser Staat nur dort in ­Märkte eingreifen soll, wo es etwas im Interesse der Allgemeinheit oder zum Schutz der Schwachen auszugleichen oder anzuschieben gilt. Müssen wir den Ersatz alter fossil betriebener Heizkessel durch neue fossil betriebene Heizkessel mit unserem, Ihrem und meinem Steuergeld anschieben? Nur ca. 50 000 Stück sind in den letzten Jahren jährlich mithilfe staatlicher Förderung ausgetauscht worden. Das bedeutet also, wir würden noch 40 Jahre brauchen, um sie auf diesem Weg aus der Welt (besser zum Schrott) zu schaffen.
Eigentlich haben wir ein ganz anderes Problem. Insgesamt müssen nämlich noch mindestens 10 Mio. alte Heizkessel ausgetauscht werden, und für die Branche wäre es schön, wenn es jährlich wieder wie Anfang der 2000er-Jahre 850 000 Stück wären statt wie zuletzt nur 710 000. Und hatten wir uns da nicht noch das Ziel gesetzt, überhaupt auf fossile Energieträger zu verzichten? Wollen wir nicht zeigen, dass es in Deutschland mit 100 % Erneuerbaren Energien funktioniert? Dekarbonisierung ist das Ziel der führenden Industrienationen und verstärkte Klimaschutzbemühungen eine internationale Vereinbarung. Die staatliche Förderung von CO2-Emissionen mit fossilen Kesseln ist damit ein Anachronismus, Effizienzgewinne hin oder Hybridsysteme her. Wir müssen uns alle zusammen schleunigst darum kümmern, fossil betriebene Wärmeerzeuger durch erneuerbar betriebene zu ersetzen.
Wenn wir daran so halbherzig weiterarbeiten wie bisher – ca. 100­ 000 Anlagen pro Jahr –, würden wir zum Stichtermin 2050 nur 36 % erneuerbar versorgte Heizsysteme zählen. Das wäre ziemlich bescheiden für unser Land, das vorne dabei sein will/muss bei der Technologieentwicklung und dem damit verbundenen Export. Wir müssen also endlich gemeinsam daran arbeiten, diesen Markt zu erschließen und dabei mit dem Klimaschutzargument punkten. Mit neuen Geschäftsmodellen wird sich die Wertschöpfung für Produzenten und Handwerk mit hochwertigen, erneuerbar betriebenen Heizgeräten zudem erhöhen. „Leinen los“, heißt hier, keine falschen und verunsichernden Signale mehr in den Markt zu senden, indem der Staat Fossile fördert. Es trägt zudem nicht zur Vertrauensbildung beim Kunden bei, wenn bei wieder anziehendem Ölpreis deutlich wird, dass der neue Kessel die Abhängigkeit von Preissteigerungen nur verlängert hat. Die Zukunft ist unsere Baustelle. Und wir sind doch top – oder?

Contra

„Keine Energiewende ohne Wärmewende“, so eines der beliebten Zitate in politischen Reden zur Energiepolitik. Dieses schöne Bonmot zieht kommunikativ. Allerdings bleibt verborgen, wie schlecht es um die Wärmewende in Deutschland steht. Von über 20,5 Mio. Heizungsanlagen in deutschen Kellern entsprechen nur 30 % dem Stand der Technik. Als Stand der Technik sieht die Fachwelt Gas- und Öl-Brennwerttechnik, Wärmepumpen, Holzzentralheizungen und nicht zuletzt die mit allen genannten Wärmeerzeugern kombinierbare Solarthermie. Würden die 70 % auf den Stand der Technik gebracht, der Effizienz und Erneuerbare Energien koppelt, könnten 30 bis 40 % pro Anlage einge­spart werden. Dies entspricht 13 % des deutschen Endenergieverbrauchs. Kein anderer Energieverbrauchssektor in Deutschland weist solch hohe Potenziale auf.
Der Hebung dieser immensen Energieeinspar- und CO2-Minderungspotenziale stehen ein riesiger Modernisierungsstau und eine viel zu niedrige energetische Modernisierungsquote diametral entgegen. Bei den über 8 Mio. veralteten Gaskesseln liegt diese Quote bei knapp über 3 % und bei den über 5,4 Mio. veralteten Ölkesseln je nach Jahr zwischen 1 und 2 %. Unter diesen Voraussetzungen bleibt die Wärmewende Wunschdenken.
Wer nunmehr aufgrund temporärer Niedrigpreise bei Heizöl einen Förderstopp fordert, stärkt den Modernisierungsstau bei gleichzeitiger Schwächung des Klima- und Ressourcenschutzziels der Bundesregierung. Solche Forderungen negieren die technisch-kommerziellen, aber auch die politischen Realitäten und erzeugen die Illusion bei Investoren, dass schlagartig alles mit Erneuerbaren Energien zu bewältigen wäre. Weder der weiteren Verbreitung von Erneuerbaren Ener­gien noch der gewünschten Steigerung von Energieeffizienz im Wärmemarkt wird damit geholfen.
Zu den Tatsachen: Die Bundesregierung fördert die Umstellung von Standard- und Niedertemperatur-Wärmeerzeugern auf Gas- und Öl-Brennwerttechnik deswegen, weil alleine der Austausch des Wärmeerzeugers bis zu 30 % an Energie einspart. Es geht um die Beschleunigung des Modernisierungstempos, damit jetzt Fortschritte bei der Energieeinsparung und CO2-Minderung realisiert werden, was zugleich monetäre Vorteile beim Investor mit sich bringt. Übrigens bietet der Austausch alter Heizungsanlagen gegen Brennwert die niedrigsten CO2-Vermeidungskosten aller heute bekannten Effizienzmaßnahmen im Gebäudebereich.
Zudem fördert der Austausch veralteter Heizungsanlagen gegen Brennwerttechnik die weitere Verbreitung solarthermischer Anlagen. Die seit dem 1. Januar 2016 vom BMWi eingeführte Bonusregelung für Investoren, die Brennwert mit Solarthermie kombinieren, unterstützt konsequent die Umsetzung der Doppelstrategie aus Effizienz und Erneuerbaren Energien.
Die im BDH organisierte deutsche Heizungsindustrie repräsentiert über 90 % der Erneuerbaren Energien im Wärmebereich. Im Sinne der weiteren Verbreitung von Erneuerbaren Energien im Wärmemarkt setzen die Hersteller auf technologieoffene und energieneutrale Rahmenbedingungen und Förderkonzepte anstelle von Technologievorgaben und Verboten einzelner Energieträger. Diese im Übrigen auch im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz, NAPE, klar verankerten Gedanken teilt unsere Industrie deswegen, weil hierdurch fairer Wettbewerb, Marktwirtschaft und Innovation im Sinne der Interessen des Klima- und Ressourcenschutzes gefördert werden.

 


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