Private Ladeinfrastruktur: Nachholbedarf in Großstädten
Frankfurt/Main. Die „Menschen wollen ihr Fahrzeug dort laden, wo sie ohnehin sind (Destination Charging)“: Zu diesem Ergebnis kommt eine ZVEI-Umfrage. Was das für die Fachbetriebe in der Haus- und Gebäudetechnik bedeutet sowie eine Übersicht über aktuelle und geplante Fördermittel, hat die IKZ recherchiert.
Fehlende Lademöglichkeiten im Alltag gehören zu den größten Hürden für den Umstieg auf das Elektroauto. Das sagen mehr als die Hälfte (51 %) der Fahrer von Verbrennern in einer repräsentativen Umfrage von Civey, die der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) in Auftrag gegeben hat. Online wurden 3 500 Personen aus der deutschen Gesamtbevölkerung sowie rund 2 800 Autofahrer befragt
Lademöglichkeiten am Gebäude sind gefragt
Die Umfrageergebnisse machten deutlich, wo die Erwartungen liegen: „Menschen wollen ihr Fahrzeug dort laden, wo sie ohnehin sind (Destination Charging)“. Handlungsbedarf bestehe insbesondere in Großstädten. Während im ländlichen Raum die private Wallbox als häufigste Ladeart dominiere, sei diese Option in Großstädten seltener verfügbar. „Rund jeder zweite Befragte aus der Großstadt würde sein E-Auto gerne (häufiger) an einer Wallbox im Mehrparteienhaus laden“, teilt der ZVEI mit.
Ladelösungen direkt am Gebäude seien also gefragt: „Deshalb brauchen wir eine ambitionierte Umsetzung des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes sowie funktionierende Förderprogramme. Der Ausbau kostengünstiger und leistungsfähiger Ladeoptionen in verdichteten Stadtquartieren muss verstärkt werden“, kommentiert Azar Mottale, ZVEI-Bereichsleiterin Mobilität.
Verkehrsministerium plant Förderprogramm
Die bundesweite KfW Förderung 442 (Wallboxen in Kombination mit Solaranlage und -speicher) ist bereits seit 2023 ausgeschöpft und wurde nicht erneut aufgelegt. Dafür hat das Kabinett im November 2025 den neuen „Masterplan Ladeinfrastruktur“ beschlossen. Ein zentraler Bestandteil sind neue Förderprogramme des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) für Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern, auf Betriebshöfen und in gewerblichen Depots. Um „den Aufbau von Lademöglichkeiten in Mehrparteienhäusern zu beschleunigen, wird das BMV diesen Aufbau finanziell unterstützen und dabei auch Kosten für die Ertüchtigung des Netzanschlusses und der elektrischen Anlagen der Gebäude berücksichtigen“, heißt es dazu im Masterplan. Von diesem Förderprogramm würden also die Fachbetriebe im Bereich der Haus- und Gebäudetechnik profitieren.
Regionale Wallbox-Förderung: ADAC liefert Übersicht
Aktuell bieten lediglich die Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen Förderprogramme für die Installation von Ladestationen. Der Fokus liegt hier auf Mehrfamilienhäusern. Der ADAC hat auf seinen Seiten eine Übersicht zusammengestellt. Darin listet er auch die Kommunen auf, die Förderprogramme aufgelegt haben.