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Pegelmessung im Bad

Eine aktuelle Studie ermittelte den Zustand der deutschen Bäder und die Wünsche der Bundesbürger 

In ihrem durchschnittlich 9,1 m2 großen Bad halten sich die Deutschen 40 Minuten am Tag auf. Weil die Frau laut Studie oft badaffiner ist als der Mann, stuft der Branchenverband VDS sie als künftige Zielgruppe des Handwerks ein.

 

Zum inzwischen siebten Mal ließ die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) umfangreiche Basisinformationen zur Badsituation der Bundesbürger ermitteln. Die repräsentative Studie 1) liefert nicht nur eine aktuelle Bestandsaufnahme. Sie bietet auch konkrete Einblicke in badbezogene Erwartungen, Meinungen und Wünsche der Verbraucher.

Insgesamt gut 46 Mio. Bäder
Aus den Befragungen von Aachen bis Zwickau zeichnete die VDS ein „facettenreiches Porträt“ der Gegenwart und Zukunft privater Bäder in Deutschland:

  • in 92% der Wohnungen findet sich ein Badezimmer mit WC,
  • die Gesamtzahl der Bäder in Deutschland beziffert forsa auf ca. 46,2 Mio.,
  • 46% der Wohnungen verfügen über ein separates WC bzw. eine Gästetoilette,
  • die durchschnittliche Größe des dominierenden Badezimmers mit WC beträgt 9,1 m2,
  • untersucht man die Badzimmer, die mit einem WC ausgestattet sind, genauer, zeichnet sich dieses Bild: 21% und damit rund 8,9 Mio. Räume scheitern an der 6-m2-Hürde. 53% bzw. 22,4 Mio. bringen es auf 6 bis 10 m2. 26% bzw. ca. 11 Mio. von über 10 m2 an.

Im Bad halten sich die Deutschen heute im Mittel täglich 40 Minuten auf. Männer (35 Minuten) haben es dabei deutlich eiliger als Frauen (47 Minuten). Generell hängt die für Körperpflege und -reinigung aufgewendete Zeit von der Haushaltsgröße ab. Sie schwankt zwischen 47 Minuten bei Einpersonenhaushalten und 29 Minuten bei Haushalten mit vier und mehr Personen.
Das statistische deutsche Durchschnittsbad nutzen täglich 2,1 Personen. In 25% der Haushalte müssen sich drei und mehr Familienmitglieder das Bad teilen. Daher kommt es den forsa-Recherchen zufolge regelmäßig morgens zu Engpässen. Das liege häufig daran, dass es nur ein Badezimmer gebe oder dass alle Bewohner gleichzeitig das Haus verlassen müssten. Ein weiterer Grund sei der Wunsch von Haushaltsmitgliedern, einzeln ins Bad zu wollen.
17,7 Mio. Erstbäder wurden seit dem Bau bzw. Bezug des Hauses noch nicht renoviert. Ihr Durchschnittsalter liegt bei fast zwei Jahrzehnten. Dazu Franziska van Almsick: „Das ist einfach zu lang. Die Bürger wissen oder ahnen nicht, was ihnen an Wohlfühl-Potenzial entgeht. Ergo: Noch mehr neue Bäder braucht das Land – und das bitte schneller.“ Das treffe nach den Worten der Badbotschafterin besonders auf die über 2 Mio. Bäder zu, die seit mehr als 30 Jahren keine Renovierung erlebt hätten. „Über Potenzial und Arbeitsmangel kann sich die Sanitärbranche daher auch künftig nicht beklagen“, zieht die VDS den Schluss.
Als „absoluten Aufsteiger“ identifizierte forsa die bodengleiche Dusche. Danach sind 2017 bereits 17% der Bäder damit ausgestattet. Zum Vergleich: 2011 waren es nur 7%. Zurückzuführen sei das nicht zuletzt auf die starke Nachfrage nach altersgerechten, barrierefreien Bädern.

Kleines Bad – große Chance
Ihr vorhandenes Bad stufen die Deutschen in erster Linie als zweckmäßig und funktional, pflegeleicht und altersgerecht ein. Mit ihrem jetzigen Bad sind 81% der Bundesbürger zufrieden.  
Als mit Abstand wichtigsten Missstand ermittelte das Institut das zu kleine Bad (85%). Weitere Steine des Anstoßes für die Unzufriedenen: die generelle Renovierungsbedürftigkeit (49%), das nicht altersgerechte Bad (33%), das Fehlen einer separaten Dusche (25%) sowie eines Fensters (20%).
Laut Studie planen 16,7 Mio. Deutsche bis 2019 Veränderungen bzw. Anschaffungen im Bad. 6,2 Mio. davon streben eine Komplett- bzw. Teilrenovierung an, während 10,5 Mio. einzelne Ausstattungsgegenstände austauschen wollen. Zu den Favoriten gehören alle Produkte rund um den Waschplatz, eine bodengleiche Dusche und der altersgerechte Umbau.

Vorsprung ist kein Ruhekissen
forsa untersuchte auch, wo sich die Bundesbürger bei angeschafften Badprodukten vorher informierten und wo sie schließlich kauften. „Dabei zeigte sich zunächst“, fasst die VDS (Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft) zusammen, „dass Baumärkte zwar die am häufigsten genutzten Informationsquellen waren, jedoch nur eine Minderheit die Qualität der dort erhaltenen Informationen positiv bewertete.“ Im Gegensatz dazu liegen die Zufriedenheitsgrade der Käufer bei Sanitärfachbetrieben bei 75% und bei einer Beratung in Bad-Fachausstellungen bei 51%.
Analog dazu hatten die Profis bei der Frage, wie relevant die (genutzten) Informationsquellen für die tatsächliche Kaufentscheidung waren, klar die Nase vorn. Installateure (60%) und Bad-Fachausstellungen (47%) übten danach den entscheidenden Einfluss auf die spätere Investition aus.
Bei den seit 2015 getätigten Badanschaffungen spielte das Internet als Kaufort in den meisten Produktgruppen nur eine relativ geringe Rolle. Demgegenüber erwarben vier von fünf Deutschen etwa bodengleiche Duschen, Badmöbel, Toiletten, Armaturen, Handtuchheizkörper und Badewannen im stationären Geschäft. Dabei entfielen die Kaufanteile von fast 90% überwiegend auf Sanitärfachhandwerker und -händler. Zu den Ausnahmen zählten Badmöbel, bei denen u.a. Möbel- und Einrichtungshäuser überproportionale Quoten erzielten. Trotzdem warnt die VDS die Branche insgesamt „eindringlich vor einer Unterschätzung der vielfältigen Wettbewerber“.

Eindeutiges Kompetenzvotum
Geht es um eine Komplettrenovierung des Bades, erwarten die Deutschen in erster Linie eine gute Fachberatung (72%), „Produkte zum Anfassen“ (56%) sowie „einen Berater, der zuhört und Bedürfnisse erkennt“ (56%). Die Kompetenz dafür billigt die Bevölkerung offenbar in hohem Maße dem Sanitärfachhandwerk zu, denn es ist für die Befragten mit 80% die Informationsquelle Nummer 1. Auf Platz 2 dieses Rankings liegt mit dem Kriterium „Alles aus einer Hand“ (75%). „Ebenfalls ein für Profis charakteristisches Leistungsmerkmal“, zieht der Branchenverband der Sanitärwirtschaft den Schluss.

Unsicherheitsfaktor Kosten
Ihr von Budget- und Platzzwängen unabhängiges Traumbad definieren die Bundesbürger mit zwei Hauptwünschen: Tageslicht und große Badewanne. Auf der reinen Produktseite reicht die Palette ferner von WCs „mit Besonderheiten“ über LED-Beleuchtung und Sauna bis zur bodengleichen Dusche.
Erhebliche Unsicherheiten förderte das Institut bei der Kosteneinschätzung für eine komplette Badrenovierung zutage. Ein Drittel der Befragten konnte die Kos­ten gar nicht beurteilen. Ansonsten pendelte sich die für erforderlich gehaltene Summe bei durchschnittlich 9200 Euro pro Bad ein.

Altersgerechte Bäder
Laut forsa-Erhebung sind lediglich 17% der Bäder derzeit „voll und ganz“ für ältere Menschen bequem nutzbar. Demzufolge wäre nur in etwa 6 Mio. der insgesamt 36 Mio. bewohnten Wohnungen in Deutschland ein Bad vorhanden, das die Bezeichnung „altersgerecht“ ohne Abstriche verdient. Von denjenigen, die über kein altersgerechtes Bad verfügen, planen 11% einen entsprechenden Umbau „definitiv oder vielleicht“. Das entspricht etwa 1,8 Mio. Bäder.
Bei den Umbauplanern genießen die Bad-Profis einen großen Kompetenzvorsprung. Fast 70% wollen sich über altersgerechte Bäder bei Sanitärfachbetrieben und 45% in Bad-Fachausstellungen informieren. Relativ gut schneidet auch das Internet mit 39% ab. Baumärkte (28%) und Artikel in Zeitungen und Zeitschriften (22%) sind dagegen keine bevorzugten Informationsquellen.
Zwei Drittel der Deutschen vermuten, dass ein altersgerechter Umbau teurer wäre als eine normale Badrenovierung. Eine Mehrheit von 51% ist bereit, das „in jedem Fall“ oder „wahrscheinlich“ zu akzeptieren. 40% machen das von der Höhe des Zusatzaufwandes abhängig. Dieses Stimmungsbild zeigt nach Ansicht des VDS die Aufgeschlossenheit der Bundesbürger für eine fundierte Fachberatung.

Aufbruch hier, Ernüchterung dort
Die neue Basisuntersuchung bietet nach VDS-Meinung „belastbare Indizien“ dafür, dass das Bad als Gesundbrunnen – nach dem altersgerechten und möglichst barrierefreien Bad – zum nächsten realen Markttrend avancieren kann. Schon jetzt soll das „ideale Bad“ für 41% der Bevölkerung gesundheitsfördernd sein. Dieser Wert steigt mit zunehmendem Alter: bei 65- bis 74-Jährigen auf 51% und bei über 75-Jährigen auf 60%.
Beim digitalen Bad könnte die Erhebung für einige Ernüchterung sorgen. Sowohl bei der grundsätzlichen Badeinstellung als auch beim speziellen Produktkauf sind die Bundesbürger „überwiegend Digitalisierungsmuffel“. Die generell geringe Akzeptanz erklärt forsa u.a. mit der verbreiteten Einschätzung, dass die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche zwar Vorteile hat, aber auch vieles im Alltag erschwert. Das Institut rät daher davon ab, das Thema (derzeit) in den Fokus zu rücken.

Bilder: VDS (Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft)

www.sanitaerwirtschaft.de

 


1) Die VDS beauftragte das forsa-Institut. Für die ca. 62 Mio. Deutsche ab 18 Jahren führten die
Meinungsforscher eine Online-Erhebung bei rund 3000 Personen durch.

 


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