Werbung

Normen und Richtlinien mitgestalten 4. KLIMA-Tag des FGK beschäftigte sich mit den europäischen Verordnungsvorhaben im Bereich der Lüftungs- und Klimatechnik.

Die europäischen Gesetzes- und Verordnungsvorhaben zur CO2-Reduktion und zur Steigerung der Energieeffizienz hinterlassen ihre deutlichen Spuren im gesamten Umfeld der Technischen Gebäudeausrüstung. Ihre Relevanz und ihr Einfluss auf die Technische Gebäudeausrüstung im Allgemeinen und auf die Systeme und Komponenten der Raumlufttechnik im Besonderen widmete sich der 4. Klima-Tag des Fachinstituts Gebäude-Klima e.V. (FGK) in Berlin.

Ministerialrat Peter Rathert vom BMVBS: „Die EnEV-Novellierung 2012 zur Umsetzung der EPBD-Richtlinie kommt sicher, unklar ist allerdings ob sie bereits eine weitere Verschärfung beinhaltet“.

 

Neben der novellierten EPBD-Richtlinie (Ener­gy Performance of Buildings Directive) sowie der EuP-Richtlinie (Energy using Products) leiten sich auch aus der Richtlinie RES (Renewable Energy Sources) neue Anforderungsniveaus für die nationale Normung ab.

Normungsverwirrspiel in der EU
Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz vom Institut für TGA, ITGA-Dresden informierte in seinem Vortrag über die Normungsarbeit von CEN und ISO, zur Umsetzung von EU-Richtlinien in EnEV und EE-Wärme-Gesetz.
So bestehen die CEN-Standards zur ener­getischen Bewertung aus bis zu 60 Einzelnormen, die das gesamte Berechnungsverfahren abbilden. „Dies ist reine Theorie, die so nicht anwendbar ist“, so Oschatz, der den „practical way“ – nämlich Teile der EN Normung in nationales Normenwerk wie der DIN V 18599 zu überführen – beschrieb.
Die europaweite Normungsarbeit wird nicht sofort verständlich, zumal man eigentlich bestrebt war, Anforderungen und damit Normen europaweit zu harmonisieren. In der Praxis führt dies nun aber offensichtlich dazu, dass jeder Mitgliedsstaat nationale Normen aus EU-Richtlinien ableitet. Gründe hierfür seien beispielsweise Zeitdruck bei der Umsetzung, Umfang und Komplexität sowie mangelnde Abstimmung. Darüber hinaus führe die CEN-Normung zu vielfältigen Berechnungsalternativen, die einen zu großen Interpretationsspielraum bieten.
Oschatz forderte angesichts der Vielzahl von neuen EU-Anforderungen eine aktive Mitarbeit von Branchenexperten bei CEN und ISO, die zwingend notwendig sei, wenn man Entwicklungen mitgestalten wolle.

EPBD-Normung nicht eindeutig
„Die gegenwärtige EPBD-Normung ist aufgrund der Vielzahl von Berechnungsalgorhytmen und national festzulegender Parameter nicht eindeutig“, so Oschatz. Im Rahmen der im Mai 2010 verabschiedeten EPBD-Novellierung muss nun auch die DIN V 18599 an die „Nullenergiehaus-Anforderungen“ angepasst werden. Dies mache eine komplette Neuausgabe der DIN V 18599 bis Mitte 2011 erforderlich.
In die Novellierung der DIN V 18599 sollen vor allem neue Technologien eingearbeitet werden, die mit der vorhandenen Normung bisher nicht bewertet werden konnten. U.a. handelt es sich um die Themen, Gebäudeautomation, Photovoltaik, Mikro-KWK, Wohnungskühlung sowie standortspezifische Berechnung. Außerdem sollen Hinweise zur Ermittlung der Deckungsanteile nach dem EEWärmeG ergänzt werden und die Übereinstimmung von Bedarf und Verbrauch, insbesondere bei Bestands-Wohngebäuden, verbessert werden.

Zunächst keine weitere Verschärfung der EnEV?
Auch Ministerialrat Peter Rathert vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung thematisierte die EPBD-Richtlinie und deren Auswirkung auf die EnEV-Novellierung. Generell rücke die Klima- und Lüftungstechnik aufgrund zunehmender Glasarchitektur, steigender innerer Wärmelasten sowie aufgrund von Innenraumhygiene-Aspekten in den Fokus der EnEV. Im Hinblick auf die nun novellierte EPBD-Richtlinie sind die Weichen gestellt: „Das Anforderungsniveau wird zwingend bis 2019 angehoben werden müssen“, so Rahtert.
Allerdings stelle sich im Ministerium derzeit die Frage, ob bereits die anstehende EnEV-Novellierung 2012 eine Verschärfung beinhalten solle, zumal die EnEV 2009 bereits eine 30%ige Verschärfung des Anforderungsniveaus beinhalte. Allen Überlegungen um zusätzliche CO2-Reduktionen, müsse das Wirtschaftlichkeitsgebot vorangestellt werden. So rechnet Rathert mit derzeitigen Mehrkosten für ein Nie­drigstenergiehaus gegenüber dem aktuellen EnEV-Anforderungsniveau von 15 bis 20%.

Referentenentwurf in der Kritik
Dipl.-Ing. Jan Fischer vom Bundesumweltministerium zeigte die Verknüpfung der RES-Richtlinie mit dem EE-Wärme-Gesetz auf. Hier liege seit dem 20. Mai 2010 ein Referentenentwurf zur nationalen Umsetzung vor, der neben einer punktuellen Anpassung technischer Mindestanforderungen für Wärmepumpen sowie für eine Präzisierung von Regelungen zu „Erneuerbarer Kälte“ und die Einführung von Fortbildungsprüfungsregelungen für Anlagenbauer und Installateure von EE-Anlagen beinhalte.
Das FGK sieht viele Aspekte insbesondere im Hinblick auf die Klima- und Lüftungstechnik kritisch und befürchtet, dass der Entwurf zu komplex und undurchsichtig sei und an vielen Stellen die Umsetzung des Gesetzes erschwere.

www.fgk.de

 


Artikel teilen:
Weitere Tags zu diesem Thema: