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Kohleausstieg kein Schreckgespenst

Eine Verringerung der Kohleverstromung um zwei Drittel bis 2030 wird sich bei gleichzeitigem Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 % kaum auf die Strompreise auswirken. So lautet das wichtigste Ergebnis einer Modellierung der beiden energie- und klimapolitischen Hauptziele der Bundesregierung im Auftrag der Denkfabrik Agora Energiewende.

Die Börsenstrompreise werden um durchschnittlich 0,4 Ct/kWh steigen, wenn die Leistung der Kohlekraftwerksflotte bis 2030 um zwei Drittel reduziert wird, prognostiziert Agora Energiewende. Bild: EEX Leipzig

Kohlestrom und Strom aus erneuerbaren Energien lagen mengenmäßig im 1. Halbjahr 2018 gleichauf. Diagramm: BDEW

 

Die Börsenstrompreise werden um durchschnittlich 0,4 Ct/kWh steigen, wenn die Leistung der Kohlekraftwerksflotte bis 2030 um zwei Drittel reduziert wird und damit auf ein Niveau sinkt, das nötig ist, um die Klimaschutzziele 2030 für den Energie- und Industriesektor zu erreichen. Normale Stromverbraucher würden wegen des beschleunigten Ausbaus erneuerbarer Energien zwar eine um 0,5 Ct/kWh höhere EEG-Umlage zahlen müssen. „Diese wird durch die sinkenden Preise an der Strombörse jedoch weitgehend kompensiert, so dass sich die Strompreise für private und gewerbliche Verbraucher nur wenig ändern dürften“, prognostiziert Frank Peter, stellvertretender Direktor bei Agora Energiewende.

Thema Kohlestrom-Import
Ein parallel zur schrittweisen Verringerung der Kohleverstromung geführter Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 % am Stromverbrauch würde auch bedeuten, dass Deutschland weiterhin Stromexporteur bleibt. Die wegfallenden Kohlestrommengen würden fast eins zu eins durch erneuerbare Energien im Inland ersetzt. Kohle- und Gaskraftwerke im Ausland kämen daher durch einen deutschen Kohleausstieg nicht häufiger zum Zug, so die Kurzstudie.

Halbierung der Emissionen
Eine Reduzierung der Leistung der deutschen Kohlekraftwerke von heute 46 GW auf 16 GW bei gleichzeitigem Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 % würde dazu führen, dass der Stromsektor im Jahr 2030 noch 186 Mio. t CO2 emittiert. Das liegt am oberen Limit des Zielkorridors für die Treibhausgasemissionen des Stromsektors. Dieser erlaubt Emissionen in Höhe von 180 – 186 Mio. t CO2 jährlich. Derzeit stoßen die deutschen Kraftwerke jährlich 332 Mio. t CO2 aus.

Smart Grid und Speicherkapazität ausbauen

„Die im Koalitionsvertrag vereinbarten energie- und klimapolitischen Ziele können also sowohl die Klimafreundlichkeit als auch die Bezahlbarkeit der Stromversorgung sichern“, sagt Peter. „Um die Versorgungssicherheit auch bei einer Dunkelflaute zu gewährleisten, wird Deutschland noch einige GW hochflexibler Gaskraftwerke bauen müssen. Auch müssen wir mehr Lastflexibilität anreizen.“

Die Analyse „65 Prozent Erneuerbare bis 2030 und ein schrittweiser Kohleausstieg –Auswirkungen der Vorgaben des Koalitionsvertrags auf Strompreise, CO2-Emissionen und Stromhandel“ steht zum kostenfreien Download unter www.agora-energiewende.de zur Verfügung.

 


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