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Ins Netz statt nutzlos in den Himmel

Im spanischen Sabadell ist eine Anlage errichtet worden, die aus Kohlendioxid (CO2) und erneuerbarem Wasserstoff synthetisches Erdgas erzeugt. Power-to-Gas-(PtG)-Projekte sind an sich nicht neu. Neu ist hier die Quelle: Das CO2 stammt aus Klärschlamm.

Ineratec, ein Spin-Off des KIT, hat eine Power-to-Gas-Anlage in Containergröße konzipiert. Das Pilotprojekt im spanischen Sabadell ist an die dortige Kläranlage angeschlossen. Bild: KIT

Beispiel für Faultürme. In Faultürmen werden organische Substanzen bakteriell abgebaut. Es entsteht Faulgas. Dieses enthält etwa 30% Kohlendioxid. Bild: Pixabay

 

Projektpartner sind Ineratec, ein Spin-Off des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), und der spanische Energieversorger Gas Natural Fenosa. Ineratec baute den Reaktor.
Die Pilotanlage in Sabadell soll vorerst 100 m3 Gas pro Tag produzieren. Sie ist zusätzlich mit einem Katalysator ausgestattet, der vom katalonischen Institut für Energieforschung (IREC) für die Umsetzung von CO2 aus biogenen Quellen entwickelt wurde. Die Anlage ist Teil des spanischen Projekts Synthetic Fuels – Combustibles Sintètics (CoSin), das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wird.

Quelle ist Faulgas
Kohlendioxid-Lieferant ist die Kläranlage der 200000-Einwohner-Stadt Sabadell. Klärschlamm wird zur Verringerung des Volumens in der Regel zunächst eingedickt und dann in Faulbehälter gepumpt. In den Faulbehältern werden die organischen Substanzen bakteriell abgebaut. Es entsteht Faulgas, das zu etwa 65% aus Methan besteht und etwa 30% Kohlendioxid enthält. Der Ansatz in Sabadell ist, das frei werdende CO2 wiederum als Ausgangsstoff für die PtG-Anlage zu verwenden, um Methan zu synthetisieren.

Kleine, dezentrale PtG-Anlagen
Ziel ist, kleine, dezentrale PtG-Anlagen zu installieren, die erneuerbare Gase produzieren, die mit der bestehenden Erdgasversorgung in Spanien kompatibel sind. Dann kann das erneuerbare Gas in der bestehenden Gasinfrastruktur gespeichert und in Gebiete in ganz Spanien transportiert werden. Die Gasspeicherkapazität in Spanien beträgt etwa 30 TWh, was bedeutet, dass theoretisch der in spanischen Windkraftanlagen erzeugte Strom ein halbes Jahr lang gespeichert werden kann.
„Spanien hat in den vergangenen 4 Jahren bereits 40% seiner Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen – meist Windkraft – erzeugt“, sagt Ineratec-Geschäftsführer Tim Böltken. Das Power-to-Gas-Verfahren wandelt nun überschüssigen oder dezentral anfallenden Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonnen- oder Windkraft in Methan um.

 


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