Im Vollkostenvergleich schlägt die Wärmepumpe Gas und Öl
Niedrigere Heizkosten und staatliche Förderung machen Wärmepumpen über 20 Jahre günstiger als Gas und Öl. Durch die Wertsteigerung des Gebäudes kann die Komplettsanierung sogar einen ökonomischen Vorteil erbringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Modellrechnung der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online. Bild: Marc Beckmann
Berlin. Die energetische Modernisierung von Einfamilienhäusern gilt vielen Eigentümern als teuer und wirtschaftlich riskant. Eine neue Modellrechnung der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online zeigt jedoch: Wird die Entscheidung nicht allein an den Investitionskosten, sondern an den Gesamtkosten über 20 Jahre gemessen, können Komplettsanierungen mit klimafreundlichen Heizsystemen – insbesondere Wärmepumpen – im Durchschnitt deutlich günstiger abschneiden als Gas- und Ölheizungen.
Grundlage der Berechnung ist ein typisches unsaniertes Einfamilienhaus (Baujahr 1983, 130 m2 Wohnfläche), bei dem in den vergangenen 20 Jahren keine energetischen Maßnahmen erfolgt sind. Die Modellrechnungen basieren jeweils auf einer vollständigen energetischen Sanierung inklusive Gebäudehülle, Heizsystem und Photovoltaik. Verglichen werden sechs Szenarien: die Erneuerung von Gas- und Ölheizungen sowie der Wechsel zu Luft-Wasser-Wärmepumpen, Erdwärmepumpen, Fernwärme und Pelletheizungen.
Warum kurzfristige Betrachtungen in die Irre führen
In der öffentlichen Debatte werden Heizsysteme häufig anhand der reinen Anschaffungskosten bewertet. Diese Perspektive greife laut co2online jedoch zu kurz. Entscheidend für Eigentümer seien nicht allein die Investitionen heute, sondern die Gesamtkosten über den Lebenszyklus eines Gebäudes: Investitionen, Finanzierungskosten, staatliche Förderung, laufende Energiekosten, Instandhaltung sowie die Entwicklung des Immobilienwerts. Die Modellrechnung von co2online setze deshalb bewusst auf eine 20-Jahres-Betrachtung, um diese Effekte sichtbar zu machen.
Wärmepumpen über 20 Jahre bis zu 90000 Euro günstiger
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Szenarien:
- Die Heizkosten über 20 Jahre liegen bei Heizsystemen auf Basis erneuerbarer Energien deutlich unter denen fossiler Heizungen. Während sie im Modellfall bei einer Gasheizung rund 28000 Euro und bei einer Ölheizung rund 41000 Euro betragen, liegen sie bei Wärmepumpen je nach Ausführung bei etwa 13000 bis 17000 Euro.
- Zwar sind die Investitionskosten für Heizsysteme auf Basis erneuerbarer Energien höher, durch staatliche Förderung und geringere laufende Kosten liegen die Gesamtkosten aus Investition und Energie jedoch niedriger als bei Gas- oder Ölheizungen.
- Werden zusätzlich Instandhaltungskosten und die durchschnittliche Wertsteigerung des Gebäudes berücksichtigt, ergibt sich im Modellfall ein ökonomischer Vorteil in Höhe von rund 39000 Euro für Luft-Wasser-Wärmepumpen und 48000 Euro für Erdwärmepumpen, während bei Gas- und Ölheizungen Mehrkosten von rund 31000 Euro bzw. 43000 Euro entstehen. Im Vergleich entspricht das einem Vorteil von etwa 70000 bis 90000 Euro zugunsten der Wärmepumpen.
„Diese Werte stellen keinen kurzfristigen finanziellen Gewinn dar, sondern einen positiven Saldo über den Betrachtungszeitraum, etwa durch niedrigere laufende Kosten und einen höheren Immobilienwert“, betont co2online. Die vollständige Tabelle und die zugrunde liegenden Annahmen sind online abrufbar.
Welche Annahmen wurden getroffen?
Die Berechnung basiert auf folgende Annahmen:
• Energieverbrauch: Heizenergieverbrauch gemäß Heizspiegel
• Energiepreise: prognostizierte Endverbraucherpreise, ermittelt im Auftrag des Umweltbundesamtes
• Investitionskosten: co2online-Berechnungen auf Basis von Werten des Baukosteninformationszentrums, angepasst an aktuelle Marktbedingungen
• Förderung: aktuelle Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)
• Finanzierung: Berücksichtigung von Zinskosten
• Wertsteigerung: durchschnittliche Effekte auf Basis von Immobilienmarktdaten
• Instandhaltung: Kosten, die auch ohne energetische Sanierung anfallen.
Die Modellrechnung stelle ausdrücklich keine individuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung dar, betont die gemeinnützige Beratungsgesellschaft. Der Grund: Die Berechnung arbeite mit Energiepreisprognosen und Durchschnittswerten. Tatsächliche Entwicklungen könnten daher davon abweichen, etwa durch veränderte politische Rahmenbedingungen, regionale Unterschiede oder individuelles Nutzerverhalten. Die Ergebnisse seien daher als Orientierung, nicht als Garantie zu verstehen.
Empfehlung: individuelle Berechnung für das eigene Gebäude
Eigentümern empfiehlt co2online, die Modellrechnung als Einstieg zu nutzen und anschließend die Berechnung mit den eigenen Gebäudedaten durchzuführen. Der Modernisierungs-Check von co2online ermögliche eine erste individuelle Einschätzung und könne eine fundierte Grundlage für das Gespräch mit der Energieberatung und den Handwerksbetrieben sein.