Fremderwärmung unbedingt vermeiden
Das Thema mikrobielles Wachstum durch Fremderwärmung von kaltem Trinkwasser in Rohrleitungen schlägt zunehmend Wellen in der Branche. Nicht zuletzt die moderne Bauweise ist Schuld an dem Dilemma. Denn während Kellerverteilungsleitungen in unbeheizten Räumen unkritisch sind, entstehen Risiken für die Trinkwassergüte durch die Verlegung der Rohrleitungen in Vorwand- bzw. Installationsschächten oder abgehängten Decken: In den Hohlräumen staut sich unkontrolliert Wärme, das kalte Trinkwasser erwärmt sich auf unzulässig hohe Temperaturen. Mehr Dämmschichtdicke bringt nur eine Verzögerung, löst aber das Problem nicht.
Besondere Risiken bestehen auch, wenn Warmwasseranschlüsse durchgeschleift und in den Zirkulationskreis einbezogen werden. In diesem Fall kann die Fremderwärmung – bei fehlender Auskühlstrecke – über die Armatur erfolgen. Das Ergebnis, nämlich unzulässig hohe Dauertemperaturen, ist das Gleiche. Derartige Installationsfehler sind für eine Vielzahl von mikrobiellen Kontaminationen ursächlich. Abhilfe schafft hier nur der Rückbau und die Änderung der Installationsart – was bei größeren Objekten einen beachtlichen finanziellen Aufwand bzw. Regressforderungen nach sich ziehen kann. In dem Beitrag „Moderne Bautechnik – Risiken für die Trinkwassergüte“ stellt der Autor die Zusammenhänge fundiert dar, belegt sie mit Thermalanalysen und gibt wichtige Hinweise für die Planungspraxis. Ein Muss für Trinkwasserplaner!
Ergänzend dazu bleibt festzuhalten: Eine objektbezogene individuelle Planung – ggf. mit unterschiedlichen Nutzungsszenarien – ist nach wie vor das sicherste Fundament für eine hygienegerechte Trinkwasserinstallation. Die Lösung von der Stange gibt es nicht.
Markus Sironi
Chefredakteur
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