Das digitale Gebäudemodell im SHK-Handwerk
Integrale BIM-Planung statt Insellösungen, die heute eher scheitern
Für SHK-Meisterbetriebe wächst der Druck, Projekte effizient zu planen und revisionssicher zu dokumentieren. Wer hier auf Insellösungen setzt, riskiert Probleme beim Datenaustausch, hohe Fehlerquoten und Zeitverlust. Die Antwort ist die konsequente Digitalisierung durch Building Information Modeling (BIM) und das digitale Gebäudemodell, die den gesamten Prozess von der Planung bis zur Wartung neu definieren.
Das Problem der Insellösungen: Im Handwerk sind zwar kostenlose Hersteller-Apps oder spezialisierte Einzellösungen für spezifische Aufgaben, etwa die Auslegung von Heizkörpern oder Fußbodenheizungen beliebt, aber sie sind isoliert.
Der Datenaustausch zwischen den Gewerken, beispielsweise die Übergabe der Heizlastberechnung an den Lüftungsplaner, ist mühsam und fehleranfällig. Zudem kostet diese Vorgehensweise viel Zeit und erfolgt häufig über unstrukturierte Formate wie Excel. Die unterschiedlichen Dateiformate und Schnittstellen führen zu Informationsverlust und zusätzlichem Koordinationsaufwand.
Die Planung nachhaltiger HLS-Systeme benötigt deshalb einen integralen Ansatz. Nur wenn alle Gewerke von Beginn an optimal verzahnt sind, kann beispielsweise die Wärmerückgewinnung einer Lüftungsanlage perfekt mit der Dimensionierung der Heizungsanlage im selben Modell abgeglichen werden. Die konventionelle TGA-Planung mit Stift und Papier ist keine Option mehr, da sie aufgrund ihrer Zweidimensionalität kaum Rückschlüsse auf die tatsächliche technische Umsetzung zulässt. Zukunft sorientierte Handwerksbetriebe reagieren bereits auf die Forderung nach digitalen Planungsdaten.
Open-BIM: Flexibilität für den SHK-Betrieb
BIM ist keine Software, sondern eine Arbeitsmethode, bei der alle Projektbeteiligten an einem digitalen Gebäudemodell arbeiten. Für das Handwerk ist der Open-BIM-Ansatz entscheidend. Er basiert auf dem offenen Dateiformat IFC (Industry Foundation Classes) und gewährleistet die softwareübergreifende Kompatibilität. Der SHK-Spezialist kann so flexibel mit den Planungsdaten des Architekten oder des Elektrikers arbeiten, ohne von proprietären Lösungen abhängig zu sein. Die Grundlage für den Datenaustausch bilden Normen und internationale Standards, wie etwa die ISO 16739, die sicherstellen, dass die Daten konsistent und interoperabel bleiben.
Der Einstieg in diese Arbeitsweise ist heute modular möglich, etwa mit Lösungen wie „DDScad“ von Graphisoft. Betriebe können mit passgenauen Leistungspaketen für die relevanten SHKL-Module beginnen und den Funktionsumfang später flexibel ausbauen. Dies gibt Betrieben die Sicherheit, sich jederzeit an Projekten dieser Art beteiligen zu können. Ein Open-BI-Moptimierter Modus (s. Infokasten) unterstützt zudem dabei, detaillierte, standardisierte Daten zu liefern und die Vorgaben bzgl. AIA (Auftraggeberinformationen) und BAP (BIM-Abwicklungsplan) komplexer Projekte sicher zu erfüllen.
Vorteile digitaler Gebäudemodelle
Im gemeinsamen 3D-Modell werden die Fachmodelle aller Gewerke zusammengeführt. Die Arbeit mit dem digitalen Gebäudemodell bringt im Vergleich zur klassischen oder isolierten Planung messbare Vorteile über den gesamten Projektablauf hinweg:
1. Kollisionsfreiheit und Qualitätssicherung
- Kollisionserkennung: Konflikte zwischen Rohrleitungen, Lüftungskanälen und anderen Gewerken (Kollisionen) werden frühzeitig am Schreibtisch erkannt und gelöst. Das verhindert zeitaufwendige, kostspielige Umplanungen und Korrekturschleifen auf der Baustelle.
- Automatisierte Berechnungen und Prüfroutinen: Integrierte Funktionen, etwa für die Berechnung von Heizlast, Rohrnetzberechnungen und -dimensionierungen für Heizungs-, Trink- und Schmutzwassersysteme sowie für maschinelle Lüftung und Druckverlust arbeiten automatisch im Modell. Das spart Zeit und minimiert das Fehlerrisiko. Zusätzliche Prüfroutinen stellen sicher, dass die Planung geltenden Normen und Standards entspricht.
2. Automatisierte Prozesse und Dokumentation
Leistungsfähige Softwaresysteme wie DDScad beschleunigen nahezu alle Arbeitsprozesse durch Automatisierung:
- Präzise Mengen und Stücklisten: Raumbücher und Stücklisten lassen sich direkt aus der Planung generieren und nahtlos an Ausschreibungsprogramme für die Kostenermittlung und die Erstellung von Leistungsverzeichnissen übergeben. Der Aufwand für die manuelle Erfassung entfällt.
- Modellierungskomfort: Neue Funktionen, wie etwa die gewerkübergreifende Nutzung von 2D- und 3D-Symbolen, sorgen für mehr Flexibilität bei der Ausgestaltung der Modelle. In der neuen Software-Version 21 wurde zudem erstmals ein KI-Assistent integriert. Dieser Chat-Bot kann direkt aus der Planungsoberfläche aufgerufen werden und beantwortet Fragen zu Funktionen, Arbeitsabläufen oder der Handhabung des Planungswerkzeugs in natürlicher Sprache. Dies erleichtert das Einarbeiten in neue Themen und steigert die tägliche Arbeitseffizienz, da zeitraubendes Suchen entfällt.
3. Erweiterung des Geschäftsfelds
- Neue Aufgabenfelder: Auf der Basis von BIM können SHK-Betriebe zusätzlich planerische Leistungen übernehmen und abrechnen. Diese Tätigkeiten lassen sich strukturiert im Büro abwickeln und erweitern das eigene Leistungsspektrum.
- Hochwertige Präsentation: Leistungsstarke Visualisierungsoptionen ermöglichen es, das Planungsergebnis in 3D zu präsentieren und die eigene Planungsleistung in einer realitätsnahen Umgebung vorzustellen.
4. Digitale Gebäudemodelle als Lebenszyklus-Partner
Der Mehrwert digitaler Planung endet nicht mit der Installation. Das Gebäudemodell ist die zentrale Dokumentationsbasis und begleitet das Bauwerk über seinen gesamten Lebenszyklus:
- Wartung und Instandhaltung: Alle Bauteilinformationen, Herstellerangaben und Wartungspläne sind im Modell hinterlegt. Dies beschleunigt Wartungseinsätze und Instandhaltungsmaßnahmen signifikant, da Komponenten schnell identifiziert und deren Austausch vereinfacht werden kann. Die Langlebigkeit der gebauten Anlagen wird gesichert.
- Mobile Transparenz: Mobile Apps wie „BIMx“ von Graphisoft oder kostenfreie IFC-Betrachter wie der DDScad Viewer ermöglichen es dem Meister und dem Monteur, das komplette 3D-Modell und alle Daten auf der Baustelle abzurufen. Dadurch haben sämtliche Baubeteiligten, Projektpartner und Teammitglieder jederzeit und überall papierlos Zugriff auf den aktuellen Planungsstand, was die Bauausführung besser kontrollierbar macht. Zudem kann der Kunde durch VR-(Virtuelle Realität)-Darstellungen mit BIMx anschaulich sehen, was ihn erwartet.
Ein Fazit
Die integrale, gewerkeübergreifende Open-BIM-Planung ist für das SHK-Handwerk und für TGA-Planer die notwendige Strategie, um den Anforderungen des modernen Bauens gerecht zu werden. Sie eliminiert Kompatibilitätsprobleme zwischen Softwarelösungen und ermöglicht die optimale Dimensionierung nachhaltiger Anlagen. Sie kann darüber hinaus den Handwerksbetrieb transformieren – durch höhere Effizienz, weniger Fehler und die Erschließung neuer, planerischer Geschäftsfelder. Die Investition in eine solche Software zahlt sich mittelfristig durch höhere Planungseffizienz und geringere Betriebskosten aus.
Autorin: Nora-Carola Strothmüller, Information Management Consultant, Graphisoft Deutschland GmbH
OPEN-BIM-optimierter Modus – Sicherer Datenaustausch im BIM-Projekt
Ein Open-BIM-optimierter Arbeitsmodus unterstützt den durchgängig standardisierten Datenaustausch auf IFC-Basis. Lösungen wie DD-Scad nutzen hierfür eine fortschrittliche Produktdaten-Technologie, die in eine eigens für Open-BIM-Zwecke optimierte Bedienoberfläche integriert ist. Die Bauteilbibliothek enthält sehr detaillierte Informationen, die über standardisierte Eigenschaften und Eigenschaften-Sets (Property Sets) organisiert sind. Dies erleichtert die Einhaltung der bauteilbezogenen Vorgaben aus AIA und BAP und sorgt dafür, dass Informationen zwischen allen Projektpartnern konsistent bleiben. Die standardisierte Datenstruktur reduziert Rückfragen in der Abstimmung und verbessert die Nachvollziehbarkeit über den gesamten Projektverlauf hinweg.