Automatisierte Stagnationsspülung für JVA-Sportanlage
Praxisbeispiel für effiziente Trinkwasserhygiene: Wassermanagement-System in Hessens größter Justizvollzugsanstalt
Überdimensionierte Trinkwasserverteiler, Zentralthermostate, eine Direktverbindung von Trink- und Löschwassernetz und ein komplett in verzinktem Stahlrohr ausgeführtes Trinkwassernetz – die Trinkwasserversorgung der Sport- und Schwimmhalle in der JVA Weiterstadt befand sich vor ihrer Sanierung längst nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Die daraus resultierenden Grenzwertüberschreitungen bei Trinkwasserprobennahmen sowie massive Korrosionserscheinungen gaben den Betreibern von Hessens größter Justizvollzugsanstalt dringenden Anlass zu einer Komplettsanierung des gesamten Trinkwassernetzes im Sportbereich.
Die 1997 eröffnete JVA Weiterstadt ist zuständig für den Vollzug von Freiheitsstrafen über 24 Monaten an männlichen Erwachsenen und gliedert sich in vier Vollzugsabteilungen in insgesamt acht Unterkunftsgebäuden auf 150 000 m2 Gesamtfläche – hiervon entfallen rund 4900 m2 auf den Sportbereich. Das Projekt Trinkwassersanierung der JVA Weiterstadt sah eine Komplettsanierung der Sporthalle, des Therapiebeckenbereichs sowie des Sporthallenanbaus vor. Um künftig erneute Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser zu verhindern, das Legionellenrisiko zu senken und somit Insassen sowie Mitarbeitern bestmögliche gesundheitliche und hygienische Bedingungen bieten zu können, entschieden sich die Verantwortlichen der JVA Weiterstadt für ein digitales Wassermanagement-System. Da Produkte von Schell in der JVA bereits seit Langem verbaut werden, fiel die Wahl auch bei diesem Bauvorhaben auf den Hersteller aus Olpe. Neben einer Komplettauslegung der Trinkwasserinstallation bilden zwei Schell Wassermanagement-Systeme „SWS“ das neue Herzstück des Großprojekts. Über zwei „SWS“-Server wurden alle weiteren verbauten Produkte – elektronische Waschtisch-, Küchen-, Dusch-, WC- und Urinal-Armaturen – vernetzt. Durch die Komplettvernetzung können nun automatisierte Stagnationsspülungen zum Erhalt der Trinkwassergüte über sämtliche Entnahmestellen innerhalb der Sportanlage und des Therapiebeckenbereichs durchgeführt werden.
Stagnationsspülungen zentral gesteuert und dokumentiert via SWS
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erhalt der Trinkwasserhygiene ist ein regelmäßiger vollständiger Wasserwechsel – über alle Entnahmestellen der Trinkwasserinstallation und mindestens alle 72 Stunden. So wird es in der VDI 6023 Blatt 1 gefordert. Wird dieser Wasserwechsel nicht durch den regulären Betrieb erreicht, sind zusätzliche Spülmaßnahmen notwendig, die den bestimmungsgemäßen Betrieb simulieren und eine lange Stagnation des Trinkwassers in den Leitungen verhindern. Manuelle Stagnationsspülungen sind zwar möglich, in der Praxis jedoch oftmals keine wirtschaftliche und praktikable Option. Denn gerade in größeren Gebäudekomplexen mit vielen Entnahmestellen ist die Umsetzung manueller Spülungen mit einem enormen Zeitaufwand verbunden. Weitaus effizienter und ressourcenschonender lassen sich die notwendigen Stagnationsspülungen automatisiert realisieren. Die beiden zen tralen Server vernetzen die elektronischen Armaturen der Sportanlage und stellen durch die Auslösung von Stagnationsspülungen in festgelegten Intervallen den geforderten vollständigen Wasseraustausch im Rohrnetz sicher – auch während Zeiten der Nicht-Nutzung. Dies erweist sich unter anderem für den Anbau der Sporthalle als äußerst vorteilhaft, da dieser in der Winterzeit, wenn die Außenanlagen ungenutzt bleiben, ebenfalls nicht genutzt wird. Ein weiterer großer Vorteil der automatisierten Durchführung der Stagnationsspülungen: Es wird kein zusätzliches Personal benötigt – ein wertvoller Faktor für den wirtschaftlichen Gebäudebetrieb der JVA Weiterstadt und ein ausschlaggebendes Kriterium für die Projektverantwortlichen. Darüber hinaus unterstützt das Wassermanagement-System die Betreiber in ihrer gesetzlichen Nachweispflicht zur Einhaltung der Trinkwasserverordnung, indem sämtliche Betriebsdaten dokumentiert werden. Bei Bedarf können die Verantwortlichen so unkompliziert Nachweise erbringen – beispielsweise gegenüber dem Gesundheitsamt.
Elektronische Waschtisch-Armaturen für hygienische Nutzung
Wo viele verschiedene Personen zusammenkommen, besteht zwangsläufig ein erhöhtes Infektionsrisiko. So auch in der JVA Weiterstadt: Mehr als 600 Straffällige werden hier von über 300 Justizangestellten bewacht und betreut. Um das Risiko von Krankheitsübertragungen durch Kontaktinfektion in den Sanitärbereichen der neuen Sportanlage so gering wie möglich zu halten, setzte man auf elektronische Waschtisch-Armaturen „PURIS E“ von Schell. Die Infrarot-Sensor-gesteuerten Armaturen unterstützen dank der berührungslosen Auslösung des Wasserflusses den Erhalt der Nutzerhygiene im hochfrequentierten Sport- und Therapiebeckenbereich. Darüber hinaus tragen sie zu einem energie- und wassersparenden Betrieb bei: Im Vergleich zu regulären Einhebelmischern ist der Wasser- und Energieverbrauch mit berührungslosen Waschtisch-Armaturen um bis zu 70 % niedriger. Am Spültisch im Dienstaufsichtsbereich wurde die elektronische Küchenarmatur „GRANDIS E“ installiert. Die Hybridarmatur ermöglicht zwei flexible Nutzungsvarianten: Je nach Bedarf kann der Wasserfluss klassisch per Einhebelmischer oder berührungslos per Infrarot-Sensor ausgelöst werden. Vernetzt mit „SWS“ wird auch an dieser Entnahmestelle der Erhalt der Trinkwassergüte stets bestmöglich unterstützt.
Zuverlässiger Schutz gegen Verbrühungen
In den Duschbereichen wurden die Duschpaneele „LINUS Inox DP-C-T“ mit integriertem Duschkopf „COMFORT Flex“ installiert. Nutzer können den Wasserfluss per CVD-Touch-Elektronik auslösen. Nach einer voreingestellten Zeit wird dieser automatisch gestoppt. Wie auch die Aufputz-Waschtisch-Armaturen „VITUS“ sind die Duschpaneele „LINUS Inox“ mit einem Thermostat ausgestattet, der zuverlässig vor Verbrühungen schützt – auch bei einem Ausfall der Kaltwasserzufuhr. Die robuste und pflegeleichte Ausführung der Edelstahl-Paneele mit gebürsteter Oberfläche gewährleistet eine einfache Reinigung. Die abgewinkelte Bauform des Duschkopfs minimiert zudem die Suizidwahrscheinlichkeit – in Justizvollzugsanstalten, in denen die Suizidrate bekanntermaßen erhöht ist, ein wichtiges Detail.
In den WCs im Eingangs- und Kraftsportbereich der Sporthalle, in den Sanitärräumen des Therapiebeckens sowie im Sporthallenanbau wurden elektronische WC-Steuerungen in vandalengeschützter Ausführung installiert. Die WC-Steuerungen „EDITION E Manual“ verfügen darüber hinaus über einen Taster für manuelle Auslösung, der beispielweise bei einem Stromausfall eine manuelle Spülung ermöglicht. Außerdem kamen Infrarot-Sensor-gesteuerte Urinalsteuerungen in vandalengeschützter Ausführung zum Einsatz.
Erfolgreicher Startschuss
Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt planen die Betreiber für die Zukunft, die JVA Weiterstadt mit weiteren Produkten von Schell auszustatten. Dank des „SWS-Baukastenprinzips“ ist das problemlos möglich: Das modulare System lässt sich flexibel um weitere Armaturen ergänzen – beste Voraussetzungen für ein langfristig hygienisches und zukunftsfähiges Trinkwassermanagement in der JVA Weiterstadt.