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„Anpassbare Bäder erfüllen Zukunftsansprüche“

Thomas Meißner. Bild: Anja Dorny

 

Bonn. Beratung mit Praxisnähe: Thomas Meißner, Pflegeexperte, Unternehmer und Mitglied im Deutschen Pflegerat spricht im Interview mit der Aktion Barrierefreies Bad (ABB) über die Anforderungen an zukunftsfähige Bäder, den Pflegealltag und die Rolle von Politik und Gesellschaft. Die IKZ veröffentlicht ausgewählte Passagen.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels bei gleichzeitig hohen Kosten für die stationäre Pflege wünschen sich viele Menschen möglichst lange im eigenen zu Hause bleiben zu können. Dieser Wunsch rückt das häusliche Bad in den Mittelpunkt. Laut einer Forsa-Studie gelten rund sieben Millionen Bäder in Deutschland als renovierungsbedürftig (LINK: www.sanitaerwirtschaft.de/aktuell/germanbathrooms). Diese dabei auch konsequent altersgerecht und barrierefrei umzubauen ist Aufgabe und Herausforderung zugleich für das SHK-Fachhandwerk.

Worauf kommt es aus Ihrer Sicht beim barrierefreien, altersgerechten oder pflegegerechten Bad besonders an?
Thomas Meißner: Zunächst einmal halte ich es für überholt, Bäder primär für bestimmte Gruppen zu planen – also zum Beispiel „für Pflegebedürftige“ oder „für Menschen mit Behinderungen“. Wir müssen Wohnraum und Bäder so denken, dass sie unterschiedlichen Lebensphasen und sehr verschiedenen Nutzern gerecht werden können, von der jungen Familie bis zum alten Menschen, der auf Hilfe oder Hilfsmittel angewiesen ist. Die Vorstellungen, wie Menschen ihr Bad nutzen möchten, sind zudem extrem unterschiedlich: Die einen brauchen viel Platz, andere legen mehr Wert auf Licht, Atmosphäre oder Ablagemöglichkeiten, deshalb sollten wir Bäder so flexibel gestalten, dass sie sich an veränderte Bedürfnisse anpassen lassen.

Welche baulichen Mindestanforderungen gibt es aus Ihrer Sicht?
Thomas Meißner: Eine Türbreite von unter 90 Zentimetern sollte im Bad heute nicht mehr verbaut werden, weil spätestens mit Rollator, Rollstuhl oder einer begleitenden Person viele schmale Türen zum echten Hindernis werden. Wichtig sind außerdem rutschhemmende Böden, die auch bei Feuchtigkeit noch sicheren Stand bieten, und eine sinnvolle Anordnung von Spiegeln und Armaturen für Menschen unterschiedlicher Körpergrößen oder für Personen im Sitzen. Ebenso unverzichtbar sind eine gute Belüftung und Beheizung, damit es weder zu Schimmelbildung noch zu Zugluft und Auskühlung kommt – gerade ältere Menschen frieren leicht, und Pflegehandlungen in einem zu kalten oder schlecht belüfteten Bad belasten alle Beteiligten.

Worauf ist bei der Planung im Zuge einer Badsanierung zu achten?
Thomas Meißner: Besonders wichtig ist, schon bei der Planung an zukünftige Anforderungen zu denken – vor allem bei baulichen Maßnahmen, die sich nur mit großem Aufwand nachrüsten lassen. Dazu gehören Verstärkungen in Wänden für Haltegriffe oder Deckenkonstruktionen für Lifter-Schienen-Systeme.
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Ich würde weniger in Kategorien wie „klassisch“ oder „pflegegerecht“ denken, sondern überlegen: Welche Anforderungen könnten in zehn oder zwanzig Jahren an dieses Bad gestellt werden? Dabei spielen nicht nur Pflegebedürftigkeit, sondern auch Unfallfolgen, zeitweilige Mobilitätseinschränkungen oder schlicht das Älterwerden eine Rolle. Wer heute umbaut, sollte deshalb die bereits angesprochenen Aspekte wie Türbreite, Bewegungsflächen, Beleuchtung, Ablagemöglichkeiten, die mögliche Nutzung im Sitzen, Smart-Home-Optionen und bauliche Vorbereitungen für Haltegriffe oder Lifter mitdenken, selbst wenn nicht alles sofort installiert wird.
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Ein Bad muss funktional sein, aber der Mensch soll sich dort auch gerne aufhalten. Deshalb braucht es flexible Lösungen, etwa durch Möbel, Sitzgelegenheiten, leicht zu nutzende Hilfsmittel und eine Gestaltung, die sowohl Platz für Unterstützung lässt als auch Zonen der Intimsphäre schafft. Entscheidend ist, dass die individuellen Wünsche der Nutzerinnen und Nutzer ernst genommen werden: Was der eine als ideal empfindet, kann für den anderen unpassend sein, daher sollten Fachleute immer die persönliche Perspektive abfragen, statt nur aus Expertenblickwinkel zu planen.
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Der Sanitär-Handwerker [ist] entscheidend, weil er die baulichen Möglichkeiten einschätzen und konkrete Lösungen umsetzen kann. Ideal ist, wenn Pflege, Wohnberatung und Handwerk zusammenarbeiten und sich vor Ort ein Bild machen, statt nur im Schauraum oder im Beratungsbüro allgemeine Empfehlungen zu geben.

Zum Thema „pflegegerechte Badgestaltung“ bietet der ZVSHK eine Schulung. Wie bewerten Sie dieses Angebot und was braucht das Handwerk noch, um Kunden bei diesem Thema optimal zu beraten und zu betreuen?
Thomas Meißner: Solche Schulungen sind sehr wichtig, weil sie das Handwerk dafür sensibilisieren, das Bad nicht nur als schönen Raum, sondern als möglichen Pflege- und Arbeitsort mitzudenken. Installateure sollten einschätzen können, welche Türbreiten, Fliesen, Duschlösungen, Wandaufbauten oder Verstärkungen für spätere Hilfsmittel sinnvoll sind und wie sich das in die bauliche Situation integrieren lässt. Außerdem brauchen sie kommunikative Kompetenz, um Kundinnen und Kunden verständlich zu erklären, warum bestimmte Weichenstellungen jetzt wichtig sind, auch wenn die Betroffenen heute noch fit sind und sich mit Pflegebedürftigkeit ungern beschäftigen.

Das gesamte Interview gibt es zum Nachlesen auf der Seite Aktion Barrierefreies Bad (ABB).

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