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Wer den Pfennig nicht ehrt

 

... ist des Talers nicht wert. Schon Martin Luther soll diesen Spruch sinngemäß hinter seinen Ofen geschrieben haben. Eine Weisheit aus alter Zeit, die durchaus noch heute ihre Gültigkeit hat und sich – aus aktuellem Anlass – auf das SHK-Handwerk übertragen lässt.
Momentan boomt es allerorten. Kunden müssen häufig wochen- wenn nicht monatelang auf die Ausführung von größeren Arbeiten wie eine Badmodernisierung oder einen Heizkesseltausch warten. Für den Handwerksbetrieb sind das goldene Zeiten. Und doch hat diese sehr gute Konjunktur ihre Kehrseite. Denn für kleinere Aufträge fehlen oft Zeit oder Wille. Man konzentriert sich lieber auf größere Projekte – für Notfälle ist natürlich immer jemand da: Hier ein Heizkessel auf Störung, da ein Rohrbruch, dort eine Abwasserleitung verstopft oder eine undichte Duscharmatur.
Das akute Problem existiert seit August letzten Jahres, als das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einen großen Fördertopf für die SHK-Branche geöffnet hat. Einige Zahlen und Eckdaten: Für den Austausch einer alten Heizungs- oder Zirkulationspumpe und/oder den hydraulischen Abgleich erhält der Eigentümer 30 % seiner Investition als Zuschuss vom Staat. Das Förderprogramm läuft bis einschließlich 2020 und umfasst ein Volumen von rund 1,8 Mrd. Euro. In dieser Zeit sollen jährlich nicht weniger als 2 Mio. Pumpen getauscht und 200000 Heizungsanlagen hydraulisch modernisiert werden. Geschehen ist so gut wie nichts: Weniger als 5 % Anträge verzeichnet das BAFA. Um es krasser auszudrücken: statt 1,1 Mio. Anträge im ersten Halbjahr waren es nur etwas über 50 000.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Geldgeber und das BAFA als Abwicklungsstelle registrieren das sehr wohl. Sie werfen bereits heute der SHK-Branche vor, untätig zu sein. Wenn sich bis zum Ende der Laufzeit (2020) nicht viel ändert, kann sich das sehr schnell negativ auf die Branche auswirken. Die politischen Stellen werden wohl kritisch hinterfragen, ob die Branche angesichts dieses augenscheinlichen Desinteresses überhaupt Fördergelder nötig hat. Für künftige Vorhaben, wenn die SHK-Branche Hilfe braucht, kann das sehr leicht zum Nachteil gereichen.
Gut dreieinhalb Jahre hat die SHK-Branche noch Zeit, die Weichen für die Zukunft in die richtige Richtung zu stellen. Die sollte sie nutzen.

Detlev Knecht
stv. Chefredakteur IKZ-HAUSTECHNIK

d.knecht@strobel-verlag.de

 

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