Hans Meudt-Halle in Dreieich - Verkeimte Duschanlagen mit Sachverstand saniert
Die Trinkwassersysteme in den Sanitäranlagen alter Turnhallen bergen ein hohes Verkeimungsrisiko. In der Hans Meudt-Halle in Dreieich (bei Frankfurt) wurde daher das gesamte Rohrleitungsnetz ausgetauscht und bis zur letzten Zapfstelle optimiert. Dazu gehörte auch die Installation von totraumfreien, elektronisch gesteuerten Duschköpfen, die mit kurzen Stichleitungen an die zirkulierende Warmwasserleitung angebunden sind.

Eine hygienebewusste Planung im Vorfeld und die entsprechend qualifizierte Umsetzung garantieren den dauerhaften Erhalt der Trinkwassergüte, sind sich TGA-Fachplaner Dipl.-Ing. Peter Buddy (rechts) und Geschäftsführer Roland Luft vom gleichnamigen SH

Die mittig im Raum platzierte, alte Rundwaschanlage versprüht den Charme der 70er-Jahre – und jede Menge Legionellen, denn die Anbindung an die Zirkulation war als meterlange Stichleitung ausgeführt.
Die Trinkwassersysteme in den Sanitäranlagen alter Turnhallen bergen ein hohes Verkeimungsrisiko. In der Hans Meudt-Halle in Dreieich (bei Frankfurt) wurde daher das gesamte Rohrleitungsnetz ausgetauscht und bis zur letzten Zapfstelle optimiert. Dazu gehörte auch die Installation von totraumfreien, elektronisch gesteuerten Duschköpfen, die mit kurzen Stichleitungen an die zirkulierende Warmwasserleitung angebunden sind.
Alle Jahre wieder taucht in den Zeitungen während der nachrichtenarmen Sommermonate das "Ungeheuer von Loch Ness" als Schlagzeile auf. Was recht amüsant ist, denn bislang ist noch niemandem der Nachweis gelungen, dass es dieses Wesen tatsächlich gibt. Gar nicht amüsant sind hingegen die Meldungen, die wenige Wochen später dann ebenso regelmäßig in den gleichen Zeitungen veröffentlicht werden: das Auftreten von Legionellen vor allem in Schulturnhallen. Ursache dafür ist die wochenlange Stagnation von Trinkwasser während der Ferien in langen, nicht zirkulierenden Leitungsnetzen. Zudem herrschen ausgerechnet dann sommerliche Temperaturen, die über Erwärmung des Wassers das Wachstum der stäbchenförmigen Bakterien zusätzlich begünstigen.
Dass es dieses Problem auch in der Hans Meudt-Halle in Dreieich gab, stellte sich bei einer der regelmäßigen Beprobungen durch das Gesundheitsamt gemäß Trinkwasserverordnung heraus: 3000 KBE/ml statt der nach TrinkwV maximal zulässigen 100 - das war mehr als Grund genug für die Verantwortlichen, die Trinkwasseranlage der 1981 erbauten Halle von Grund auf zu sanieren.
Lange Stichleitungen
Wie nötig dieser Schritt primär unter trinkwasserhygienischen, letztlich aber auch energetischen Gründen war, wurde Planer Dipl.-Ing. Peter Buddy bei der Bestandsaufnahme schnell deutlich. Vor allem fünf Punkte fielen auf, die aus heutiger Sicht als eklatante Installations- bzw. Planungsmängel gelten:
• Sämtliche Rohrleitungsnetze, auch für Trinkwarmwasser, waren aus verzinktem Stahlrohr.
• Die Versorgung der Duschen erfolgte über eine in der Decke verlegte zirkulierende Warmwasserleitung. Von ihr führte eine Anschlussleitung zunächst senkrecht nach unten und dann waagerecht unter den Mischarmaturen entlang. Die einzelnen Duschplätze wurden dann jeweils von unten durch eine Stichleitung über die Mischarmatur bis zum Duschkopf angebunden. So entstand von der zirkulierenden Warmwasserleitung bis zum letzten Duschplatz eine nicht zirkulierende Anschlussleitung von etwa 6,5m Länge.
• In der Mitte eines jeden Duschraums befand sich eine sogenannte Waschinsel mit acht Auslaufarmaturen. Die Kalt- und Warmwasseranbindung geschah ebenfalls über lange, zudem großzügig dimensionierte Stichleitungen.
• Am Ende des langen Turnhallengangs lag eine Einzeldusche mit entsprechenden Zuleitungen, die in all den Jahren fast nie benutzt wurde.
• Die Trinkwasseranlage war als Einheit mit einer "nassen" Feuerlöschanlage konzipiert worden, in denen sich bei Nennweite DN 80 Hunderte Liter stehendes Wasser befanden.
Franz-Gisbert Brück, SHK-Fachmann der Stadt Dreieich: "Zentrales Problem war also Stagnation, die als wesentliche Ursache für Verkeimung gilt. Hinzu kam trotz Dämmung die zwangsläufige Anpassung des stehenden Trinkwassers an die Raumtemperatur; Kaltwasser erwärmte sich, Warmwasser kühlte ab. Legionellen fanden temperaturbedingt damit also nahezu optimale Lebensbedingungen vor."
Stagnation ausschließen
Das erste, was Planer Buddy änderte, war daher folgerichtig auch die klare Trennung von Trink- und Löschwasseranlage sowie das Kappen der langen Stichleitungen. Die zentral im Raum positionierten Waschinseln entfielen beispielsweise völlig, die am Flurende liegende Dusche wurde zum Spülauslauf für die jetzt nass/trocken ausgelegten Feuerlöschleitungen umfunktioniert und in den Gemeinschaftsduschen die Zahl der Duschplätze von zehn auf sechs verringert, um den Wasserdurchsatz je Duschplatz generell zu erhöhen.
Nach wie vor erfolgt die Versorgung dieser Duschen durch eine in der Decke liegende zirkulierende Warmwasserleitung - aber die sehr langen Anschluss- und Stichleitungen zu den Duschköpfen gehören ebenfalls der Vergangenheit an: TGA-Planer Buddy setzte hier statt der konventionellen Duschkopf-/Armaturen-Kombination Thermostat-Duschköpfe des Typs Moratronic Compact (siehe Kasten) ein. Aufputz werden sie mit kurzen Stichleitungen an die zirkulierende Warmwasserleitung angeschlossen; das Stagnationsrisiko ist also nur noch ein theoretisches. Vor allem, weil die Auslösung der auf 40°C voreingestellten Duschköpfe nicht mehr hydraulisch, sondern elektrisch über einen Drucksensor erfolgt. Die Stagnationsstrecke Armatur/Duschkopf entfällt also komplett, so Planer Buddy: "Sich mit den Rest-Stichleitungen innerhalb der vom DVGW in Arbeitsblatt W 551 geforderten Regel von maximal 3l Wasservolumen zu bewegen, ist damit gar kein Problem. Im Gegenteil: Hier konnten wir sogar deutlich unterhalb der von Trinkwasserhygienikern geforderten Grenze von maximal 1l Volumen bleiben."
Die Fachhandwerker des ausführenden SHK-Unternehmens Luft (Dreieich-Sprendlingen) begrüßten die elektrische Auslösung per Sensor noch aus einem weiteren Grund: Sie konnten die unter Putz nicht mehr benötigte Rohrleitung von der ehemaligen Mischarmatur zum Brausekopf für die Führung des neuen Auslösekabels nutzen. Brück: "Das reduzierte den Installationsaufwand und die Sanierungskosten erheblich, denn es fielen keine Fliesenarbeiten an."
Aus dem gleichen Grund sind die neuen Edelstahl-Rohrleitungen für Warmwasser, Zirkulation und Kaltwasser in den Duschen ebenfalls auf Putz verlegt und mit Blenden aus V2A verkleidet worden; die Anbindung an die Hauptverteilung befindet sich dann in der abgehängten Decke. Diese Installationsvariante hat darüber hinaus den Vorteil, dass die Zahl der Duschplätze bei Bedarf von derzeit sechs problemlos wieder auf zehn erweitert werden kann. Die entsprechenden Anschlussstellen dafür sind bereits vorgesehen, aber mit Blindstopfen bzw. an der Auslösung mit Edelstahlplatten verdeckt.
Hygienebewusste Inbetriebnahme
Genau so hygienebewusst wie die Auslegung und Installation der neuen Trinkwasseranlage stellte sich auch die Inbetriebnahme dar. In der Vorprüfung wurde die Dichtheit der Pressverbindungen im 620m langen Trinkwassernetz vorbildlich gemäß Merkblatt des ZVSHK mit Stickstoff, also "trocken" kontrolliert. Die "nasse" Belastungsprüfung erfolgte zeitgleich mit der Inbetriebnahme, sodass auch hier jedes Verkeimungsrisiko zum Beispiel durch stehendes Restwasser nach Entleeren der Anlage im Anschluss an die Prüfung ausgeschlossen war.
Dass darüber hinaus im Rahmen der Belastungsprüfung das gesamte Rohrleitungsnetz zusätzlich desinfiziert und gespült wurde, war für SHK-Fachmann Heinrich Luft eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme: "Das neue Rohrleitungsnetz ist an den vorhandenen, über Fernwärme beheizten Warmwasserspeicher mit 500l Inhalt angeschlossen worden. Um definitiv jeden Keimeintrag daraus auszuschließen, haben wir den Speicher gereinigt und eben die zusätzliche Desinfektion vorgenommen."
Dieser planerische und installationstechnische Aufwand war zwar insgesamt 93.000 Euro teuer, hat sich aber in jeder Hinsicht gelohnt, bilanziert Franz-Gisbert Brück: "Nach wie vor wird die Trinkwasseranlage regelmäßig beprobt, und jedes Mal ist das Ergebnis mit definitiv 0 KBE gleich. Und zwar sowohl bei der Probe, die am Wasserausgang des Speichers genommen wird, wie an jener vom letzten Duschkopf. Die Stadt Dreieich hat sich also mit der zeitlich in die Sommerferien arg gepressten Baumaßnahme nicht nur ihrer Verantwortung für die Sportler in der Hans Meudt-Halle gestellt, sondern zugleich eine ebenso wirtschaftliche wie effektive Sanierung der Trinkwasseranlage realisiert."
Bilder: Mora
- Links:
- www.moraarmatur.com
