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Flüssiggasinstallationen - Teil 1: Ausrüstung, Aufstellung, Schutzbereiche und Verdampfungsleistungen von Flüssiggastanks und -flaschen

Grundsätzlich sind bei der Errichtung einen Flüssiggasanlage die anerkannten Regeln der Technik so einzuhalten, dass von Tanks und Flaschen keine Gefahren ausgehen und auf diese keine Gefahren einwirken können. Mit Inkraftreten der Technischen Regeln Flüssiggas (TRF) 2012 ist auch die Installation von Flüssiggastanks und -flaschen einfacher und damit schneller geworden. Die Schutzzonen wurden vereinfacht und sind unkomplizert anzuwenden. Damit können Flüssiggastanks und -flaschen an vielen Standorten zum Einsatz kommen.

Flüssiggas-Installation mit erdgedecktem Tank und unterirdischer Hauseinführung. Bild: Tyczka Totalgaz, Geretsried

Domdeckel eines erdgedeckten Tanks, dessen Lagerung in die Gartengestaltung einbezogen wurde. Bild: Tyczka Totalgaz, Geretsried

Ausrüstungen eines Flüssiggastanks. Bild: GOK Regler- und Armaturen-Gesellschaft mbH & Co. KG, Marktbreit

Schematische Darstellung eines Anschlusses Doppelflaschenanlage. Bild: Tyczka Totalgaz, Geretsried

Tabelle 1: Eigenschaften von Flüssiggas und Erdgas.Quelle: TRF 2012

Tabelle 2: Aufstellbedingungen; übliche Abmessungen für Flüssiggas-Tanks. Quelle: Rohrnetzberechnungsprogramm "IBAP Rohr Flüssiggas"

 

 

Die Technischen Regeln Flüssiggas (TRF) 2012 regeln die Aufstellung von Flüssiggastanks unter 3,0 t. Die üblichen Tankgrößen sind 1,2 t, 2,1 t und 2,9 t Fassungsvermögen. Die einfachste Aufstellung für einen Flüssiggastank ist frei stehend auf einem Betonfundament oder einem Fundamentstreifen. Diese Variante wird vorzugsweise für Tanks bis 1,2 t Inhalt genutzt. Die optisch ansprechendere - wenngleich auch etwas teurere - Variante ist der erdgedeckte Tank, denn er verschwindet, von außen nahezu unsichtbar, im Erdreich. Lediglich der Domschachtdeckel ist noch zu sehen.

Frei stehend oder erdgedeckt?

Der erdgedeckte Tank bietet zwei weitere Vorteile: Die Entnahmeleistung ist sommers wie winters gleich, und die Befürchtung, dass sich der Tank über die maximal zulässige Betriebstemperatur von 40 °C erwärmen könnte, steht garnicht erst zur Diskussion. Bei frei stehenden Tanks wird diese unzulässige Erwärmung durch eine Beschichtung mit Farben nach DIN EN 12542 verhindert.
Bei der Auswahl des erdgedeckten Tanks ist zu prüfen, ob der Domschachtdeckel überfahren werden muss, z. B. in Garageneinfahrten. Wenn ja, müssen diese auch für das Überfahren geeignet sein.
Ein entscheidender Vorteil von Flüssiggas gegenüber anderen nicht leitungsgebundenen Energien (z.B. Heizöl) ist, dass Flüssiggas als nicht wassergefährdend eingestuft ist. Diesen Vorteil sollte man nicht durch eine fehlende Auftriebssicherung zunichte machen. Schließlich, das haben gerade die letzten Hochwasser gezeigt, sollte beim Einbringen des erdgedeckten Tanks nicht nur auf die 20 cm Sandschicht ringsherum geachtet werden, sondern auch darauf, dass die Tanks die 1,3-fache Auftriebssicherheit gegen Hochwasser erreichen.
Von deutschen Flüssiggasversorgern angelieferte Tanks entsprechen der Druckgeräte-Richtlinie 97/23/EG, besitzen das CE-Zeichen und eine Überwachungsnummer. Vorsicht ist bei der Installation von Tanks unbestimmter Herkunft geboten.
Egal ob erdgedeckt oder frei stehend: Die Erstauswahl des Standortes des Tanks und die Leitungsführung sollten immer mit dem Kunden gemeinsam beraten werden. Denn wenn die Flüssiggasleitung ein schön gepflegtes Blumenbeet durchpflügen muss, bekommt möglicherweise der Installateur den Auftrag, der eine sensiblere Leitungsführung vorschlägt. Solange sich vom Mittelpunkt des Domschachtes aus gemessen in einem Umkreis von 5 m keine Grundstücksgrenze, kein öffentlicher Weg, keine Hauswand mit Fenstern, keine Kanäle, Schächte oder Öffnungen und selbstverständlich keine Zündquellen befinden, ist der Installateur auf der sicheren Seite. Können die 5 m nicht eingehalten werden, findet der Fachmann in den TRF 2012 weitere Möglichkeiten, die Schutzziele und Schutzzonen einzuhalten.

Schutzzonen einhalten

Auch die Schutzzonen sind mit den TRF 2012 vereinfacht worden. Die Zone 1 - also der Bereich, in dem sich bei Normalbetrieb gelegentlich eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre als Gemisch aus Luft und Flüssiggas bilden kann - findet bei der häuslichen Anwendung nur im Domschacht des erdverlegten Tanks Anwendung. Die Zone 2 - der Bereich, der bei der Befüllung von Zündquellen freizuhalten ist - reicht in einem Radius von 3 m um den Domschacht. Einen kleinen, aber feinen Unterschied gilt es dennoch zu beachten: Beim frei stehenden Tank werden die 3 m ab einem Radius von 1 m über dem Dommittelpunkt gemessen, beim erdgedeckten Tank aber beginnen sie 1 m über den Domschachträndern!
Regelmäßig taucht die Frage nach der Erdung von frei stehenden Flüssiggastanks auf. Einfache Antwort: Wenn der Tank auf Beton mit gewachsenem Boden steht, ist keine Erdung erforderlich. Nur wenn er auf isolierenden Schichten (Erdungswiderstand > 106 O), z. B. Bitumen, aufgestellt wird, müssen mit einem Staberder 100 mm² geerdet werden. Die Leitung vom Tank zum Staberder sollte mit 16 mm² Kupferdraht verlegt werden.
Tanks mit halboberirdischer Einlagerung wurden hier nicht behandelt, da diese nur in wenigen Fällen zum Einsatz kommen. Hier besteht ein Problem darin, dass Beschädigungen der Tankoberfläche, z.B. beim Rasenmähen, auftreten können. Auch die Aufstellung von Flüssiggastanks in Räumen ist nach den TRF 2012 möglich. Dazu gelten jedoch erhöhte Anforderungen, die im Rahmen dieses Beitrags nicht erörtert werden.

Ausrüstungen für Flüssiggastanks

Zur standardmäßigen Ausrüstung eines Flüssiggastanks zählen:

• das Füllventil mit doppelter Rückschlagklappe und Verschlusskappe (wichtig für den Tankwagenfahrer).
• das Flüssigentnahmeventil mit Entleerung, Blindstopfen und Anschluss für die Entnahme aus der Flüssigphase (dieses Ventil wird für die häusliche Anwendung nicht benötigt).
• Die Gasentnahmearmatur als Baueinheit mit Entnahmeventil. Diese be
inhaltet den Anschluss für den Druckregler, und hier schließt der Installateur die Entnahmeleitung für Flüssiggas in der Gasphase an. Das Peilventil mit Peilrohr ermöglicht die Kontrolle der Befüllung, und die Überfüllsicherung schaltet in Verbindung mit dem Tankwagen automatisch bei dem Füllgrad unter 85 % die Befüllung ab. Weiterhin integriert ist die Druckmesseinrichtung als Sicherheitsdruckmanometer, mit der roten Marke bei 15,6 bar, die über diesen Druck gefahrenfrei abbläst. Zur Überprüfung der Druckmesseinrichtung gibt es noch den Prüfanschluss.
• Der Inhaltsanzeiger: Er zeigt den ungefähren Füllgrad des Tanks an, stellt jedoch keine Sicherheitsausrüstung dar. Sinnvoll erscheint gerade bei empfindlichen Abnehmern wie Blockheizkraftwerken eine im Haus (Technik- oder Heizraum) installierte Fern-Inhaltsanzeige.
• Das Sicherheitsventil, das in der Regel als innen liegendes Sicherheitsventil die Absicherung gegen Überdruck (Ansprechdruck bei 15,6 bar) übernimmt. Das freie Abblasen muss gewährleistet sein.

Für die Installateure und Kunden sind von diesen Sicherheitseinrichtungen nur zwei sehr wichtig: Der Inhaltsanzeiger, damit rechtzeitig nachgetankt werden kann, sowie die Absperreinrichtung an der Gasentnahmearmatur, damit bei Gefahr abgesperrt werden kann.

Aufstellbedingungen für Flaschen

Grundsätzlich dürfen in Wohnungen Flüssiggasflaschen bis zu einem Inhalt von 16 kg aufgestellt werden, d. h. in Deutschland bis zu den hierzulande üblichen 11-kg-Flaschen. In einer Wohnung dürfen maximal zwei Flüssiggasflaschen bis 16 kg (11 kg in Deutschland) - eine Betriebs- und eine Vorratsflasche - aufgestellt werden, jedoch nur in getrennten Räumen, d. h. pro Raum eine Flüssiggasflasche. In Schlafräumen dürfen keine Flüssiggasflaschen gelagert werden.
Flüssiggasflaschen dürfen nicht in Treppenhäusern, Fluren, Durchgängen, Notausgängen, Rettungswegen, Durchfahrten oder anderen Erschließungswegen aufgestellt werden. Sie müssen ausnahmslos stehend aufgestellt werden, dabei ist auf Standfestigkeit zu achten. Bei der Aufstellung sind die Mindestabstände z. B. zu Herden (mit Strahlungsschutz 10 cm und ohne Strahlungsschutz 30 cm) oder zu Heizkörpern (mit Strahlungsschutz 10 cm und ohne Strahlungsschutz 50 cm) einzuhalten.
Die Schlauchlänge für die üblichen orangefarbenen Schläuche beträgt im Haus max. 40 cm. Dieser Schlauch muss alle 10 Jahre ausgetauscht werden. Zur besseren Kenntlichmachung tragen alle nach Inkrafttreten der TRF 2012 hergestellten Schläuche einen Aufdruck mit dem Herstellungsdatum.

Ausrüstungen für Flaschen

Für Flüssiggasflaschen im Haus gibt es keine Schutzzonen. Beim Wechseln der Flasche tritt manchmal eine geringe Menge Flüssiggas aus. In diesem Bereich sollten Zündquellen unbedingt vermieden werden, wie es zum Beispiel bei einer unter der Spüle gelagerten Flasche, wo auch noch ein kleiner elektrischer Boiler installiert ist, der Fall sein kann. Wenn der Boiler beim Flaschenwechsel nicht abgeschaltet wird, kann es beim Einschalten der Boilerheizung und dem gleichzeitigen Ausströmen von Flüssiggas zu einer Verpuffung kommen.
Für Großflaschenanlagen im Geltungsbereich der TRF 2012 - die ja nur außerhalb des Objektes aufgestellt werden dürfen - gibt es Schutzzonen. Diese liegen bei max. 1 m, innerhalb dessen sich keine Öffnungen, Schächte oder Fenster befinden dürfen.
Druckregler sind für alle Flüssiggasflaschen erforderlich. Es gibt jedoch unterschiedliche Regler bis 16 kg und Regler für 33-kg-Flaschen. Obwohl das allen Installateuren bekannt sein sollte, kommt es immer wieder vor, dass ein Regler für Flaschen bis 16 kg auf eine 33-kg-Flasche gezwängt wird. Das ist gefährlicher Pfusch!
Werden Doppelflaschenanlagen eingesetzt, muss die Entscheidung getroffen werden, ob automatische Umschalter oder solche mit Handbedienung eingesetzt werden. Die Handbedienung hat den Vorteil, dass der Kunde weiß, wann eine Flasche leer ist, weil er umschalten muss. Bei der Automatik kann es vorkommen, dass beide Flaschen leer sind. Bei hohen Entnahmen ist jedoch eine automatische Umschaltung erforderlich, weil ein abwechselnder Betrieb der Flaschen erforderlich ist.

Entnahme aus Flüssiggastanks und -flaschen

Flüssiggas liegt, wie der Name sagt, flüssig in den Tanks vor. Es muss also erst in den gasförmigen Zustand übergehen, bevor es genutzt werden kann, wozu eine bestimmte Wärmemenge erforderlich ist. Deshalb kann aus einem frei stehenden Tank im Sommer wesentlich mehr Leistung entnommen werden als im Winter. Falsche Dimensionierung führt zu Vereisungen, auch bei erdgedeckten Tanks. Und es kann Wochen dauern, bis so ein Eisblock in der Erde wieder aufgetaut ist. Wenn dann noch der Mindestabstand von 80 cm z. B. zu einer Wasserleitung nicht eingehalten wurde, kann diese Wasserleitung mitten im Sommer einfrieren.

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Preußer

Literaturverzeichnis
DIN EN 12542 - Flüssiggas-Geräte und Ausrüstungsteile - ortsfeste, geschweißte zylindrische Behälter aus Stahl, die serienmäßig für die Lagerung von Flüssiggas (LPG) hergestellt werden, mit einem Fassungsvermögen bis 13 m3 DVGW-Arbeitsblatt G 600, Technische Regeln für Gasinstallationen, DVGW TRGI 2008, April 2008
DVGW-Arbeitsblatt G 607, Flüssiggasanlagen in bewohnbaren Freizeitfahrzeugen und zu Wohnzwecken in anderen Straßenfahrzeugen - Betrieb und Prüfung, Mai 2005
"IBAP Erdgasbuch", Dipl.-Ing. Andreas Preußer, Ausgabe 2008
Gasrohrberechnungsprogramm "IBAP Erdgas Flüssiggas", Version 1.1., Stand 2013
Richtlinie 97/23/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. Mai 1997 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Druckgeräte
Seminarunterlage "Die neue TRF 2012", DVFG und DVGW, Februar 2012
Technische Regeln Flüssiggas 2012, DVFG-TRF 2012, Stand 2012
Unfallverhütungsvorschrift Verwendung von Flüssiggas BGV D 34, Januar 1997

 

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