125 Jahre IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 22/1997, Seite 46 ff.


INTERVIEW


Werkstoff aus einem Guß

Bewährter Sanitärwerkstoff, flexibel in der Anwendung

Sanitärplanung heißt immer öfter individuelle Projektierung und flexible Gestaltung. Und das heißt für die Bauausführenden: Produktsuche, Kleinserie, Spezialanfertigung, ja sogar Produktion von Unikaten. Nur so können vielfach die besonderen Wünsche der Kunden berücksichtigt und eine individuelle Anpassung an den Baukörper umgesetzt werden.

Vielseitigkeit in der Anwendung.

Häufig entscheiden Materialvorteile die Wettbewerbsfähigkeit eines Produkts. Besondere Eigenschaften in Form, Farbe und Funktion bietet für die Badplanung der seit über zwölf Jahren erfolgreich am Markt positionierte Werkstoff Varicor. Werner Herm, Geschäftsführer der Spectra Vertriebsgesellschaft mbH, Gaggenau, beantwortete die Fragen des IKZ-HAUSTECHNIK-Redakteurs Volkmar Runte zu dieser Thematik.

Interview

IKZ-HAUSTECHNIK: Mit Varicor hat die SHK-Branche einen schon seit vielen Jahren bewährten und exklusiven Werkstoff zur Verfügung. Wo liegen die Ursprünge dieses vielseitigen Materials?

Werner Herm: "Wir wollen qualifizierte Beratung und optimale Qualität erzielen."

Herm: Entwickelt wurde dieser Werkstoff in den USA. Wir haben die Lizenz erworben und die Rezeptur auf die in Europa lieferbaren Inhaltstoffe abgestimmt. Es dauerte von der Markteinführung auf der Interzum 1985 - Internationale Messe für die Zulieferindustrie der Möbelbranche, noch etwa ein Jahr, bis eine Produktionsstätte im Elsaß eingerichtet war, um dort ab Ende 1986 die ersten Varicortafeln in Serie herzustellen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Aus welchen Grundstoffen besteht Varicor?

"Varicor ist ein hochwertiger und exklusiver Werkstoff."

Herm: Varicor ist ein Mineralwerkstoff der zum überwiegenden Teil aus mineralischem Aluminiumhydroxyd besteht. Als Bindemittel für diesen Füllstoff wird Polyesterharz verwendet, weitere Inhaltsstoffe sind Farbpigmente. Varicor läßt sich mit üblichen Werkzeugen der Holzverarbeitung bearbeiten, ist voll durchgefärbt und warm verformbar.

IKZ-HAUSTECHNIK: Über welchen Weg hat Varicor die Sanitärschiene erreicht, denn im Elsaß wurden doch zunächst nur Halbzeuge wie Tafeln, Becken und Spülen produziert?

Herm: Wir fertigten zu Beginn überwiegend Tafeln für den Innenausbau. In kleineren Mengen wurden Sanitärprodukte hergestellt, die wir aber über diesen Vertriebsweg, Holzgroßhandel, Möbelhersteller und Tischlereien, nicht ausreichend im Markt plazieren konnten. Aus diesem Grund gab es schon 1988 Kontakte zu Keramag, die ihr Know-how im Sanitärmarkt einbrachten und sich 1989 mit 50% an der Varicor S.A. beteiligten. Die Vertriebswege wurden branchenspezifisch getrennt. Für Halbzeuge über die holzverarbeitende Schiene, für die Sanitärprodukte über den traditionellen dreistufigen Sanitär-Vertriebsweg. Als erstes Produkt für den Sanitärmarkt entstand das noch heute produzierte und sehr erfolgreiche Waschtischprogramm Wetset. Mit der Übernahme der Mehrheit an der Gesellschaft durch die Keramag wurde 1995 die Spectra Vertriebsgesellschaft mbH gegründet, die die gesamte Varicor Vermarktung, unter Einhaltung der Vertriebswege, organisiert und im Sanitärbereich weiterhin vor den Keramag Gebietspräsentanten unterstützt wird.

Spectra Geschäftsführer Werner Herm (rechts) und Marketing - Professional - Prokurist Jochen Hüsken, Keramag, diskutieren im Varicor-Studio in Ratingen über die gestalterischen Vorzüge in puncto Oberflächen und Farben.

IKZ-HAUSTECHNIK: Welche Anwendungsbereiche werden im SHK-Bereich abgedeckt?

Herm: Wie ich bereits sagte, hat der Werkstoff enorme Einsatzmöglichkeiten aufgrund seiner Materialeigenschaften. Varicor ist licht- und wasserresistent und weitgehend chemikalienbeständig. Außerdem schwer entflammbar und lebensmittelecht. Die Nutzung im Sanitärbereich ist nahezu grenzenlos. Insbesondere die Möglichkeit zur individuellen, objektbezogenen Maßanfertigung und die integrierten Zusatzausstattungen wie zum Beispiel Seifenspender, Kleenexboxen, Handtuchhalter etc. sowie die umfangreiche Farbpalette prädestinieren Waschtischprogramme aus Varicor für alle Verwendungszwecke im öffentlich-gewerblichen und halböffentlichen Bereich. Für den privaten Einsatzbereich eignen sich insbesondere Unikatlösungen, die aus Varicor Tafel und Einbaubecken hergestellt werden.

IKZ-HAUSTECHNIK: Warum sollte der SHK-Handwerker auf diese Produkte zurückgreifen, es gibt doch durch die Werkstoffe Keramik, Edelstahl oder Glas genügende Auswahl. Wo liegen seine Vorteile?

Herm: Mit dieser großen Palette an Formen und Farben, kann der Handwerker fast alle Wünsche seiner Kunden zufriedenstellen, er liefert ein hochwertiges Produkt mit einem homogenen, durchgefärbten und hygienisch einwandfreien Material. Außerdem kann der Handwerker und Planer die Waschtischanlagen nach individuellen Maßen fertigen lassen. Auch nachträglich ist es möglich, die Anlage zu erweitern oder zu ergänzen. Hinzu kommt, das durch Keramag gesicherte exklusive, europaweite Marktangebot für den professionellen dreistufigen Vertriebsweg.

Schlanke Linienführung sorgt in kleinen Bädern für Bewegungsfreiraum vor dem Waschtisch.

IKZ-HAUSTECHNIK: Individuelle Verarbeitung bedeutet fachliche Zuarbeit und Kompetenz in der Umsetzung. Wie sichern Sie diesen, von der Serie abweichenden Anspruch?

Herm: Zu diesem Punkt gab es in der Vergangenheit Probleme bei der Koordinierung und Umsetzung. Ungenaue Angaben und Maßabweichungen führten zu Rückläufen oder Nacharbeit. Unser "Top-Verarbeiter-Konzept" schließt diese Lücke.

IKZ-HAUSTECHNIK: Können Sie dieses Konzept näher erläutern?

"Top-Verarbeiter garantieren Qualität"

Herm: Dieses in der Branche neue Konzept verlagert die individuelle Endbearbeitung des Formteileprogramms zu kompetenten, ausgesuchten Fachhandwerksbetrieben. Im gesamten Bundesgebiet stellen zur Zeit elf Unternehmen die Vor-Ort-Beratung, -Organisation und -Realisation gemeinsam mit den Keramag Außendienstmitarbeitern sicher. Wenn Sie so wollen, handelt es sich bei den Firmen um Varicor-Spezialisten, die auch in der Vergangenheit z.B. im Innenausbau dieses Material verarbeitet haben. Individuelle Beratung, Problemlösung und maßgenaue Fertigung ist bei diesen Unternehmen Voraussetzung und über diesen Weg können wir eine qualifizierte Beratung und optimale Qualität erzielen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Sanitärartikel und Holzbranche, wie paßt das zusammen?

Herm: Varicor-Tafeln lassen sich durch Holzbearbeitungsmaschinen hervorragend bearbeiten, deshalb haben wir uns für Betriebe des klassischen Innenausbaus, z.B. Tischlereien entschieden. Hier können wir das gesamte Know-how für Verarbeitung und Aufmaß für unsere Kunden nutzen. Die Betriebe verfügen über den entsprechenden Maschinenpark, die handwerklichen Kenntnisse und sind somit ideale Partner der Keramag, für individuelle Problemlösungen aus Varicor.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie können Sie verhindern, daß die Produkte außerhalb des Vertriebswegs auftauchen?

Herm: Wir betrachten die Top-Verarbeiter als Zwischenschritt in der Bearbeitung um die Qualität auch für die Spezialanfertigungen auf hohem Niveau zu sichern. Die Betriebe haben sich verpflichtet, den klassischen dreistufigen Vertriebsweg der Sanitärbranche einzuhalten. Dieser Weg hat sich für uns als richtig erwiesen, denn in der Sanitärbranche ist zum Beispiel auch eine Präsentation in Ausstellungen des Fachgroßhandels über die Außendienstmitarbeiter von Keramag sicherzustellen und ein exklusives Angebot zu unterbreiten, das gilt insbesondere auch für Planer und Architekten im Objektgeschäft.

Auf dieser Klaviatur können Sie gestalterisch spielen: Formen, Farben und Oberflächen ermöglichen eine breite Palette bei den Maßanfertigungen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie groß schätzen Sie das Marktvolumen ein?

"Qualität durch gebündelte Fachkompetenz im Handwerk."

Herm: Eine genaue Einschätzung des Marktvolumens ist äußerst schwierig, da eine klare Abgrenzung dieses Marktsegments nicht besteht und differenzierte Marktdaten nicht verfügbar sind. Wir wissen aber, daß der Anteil an nicht-keramischen Waschtischen kontinuierlich um ca. 1%-Punkt p.a. steigt und daß Mineralwerkstoffe wie Varicor deutlicher steigen werden als andere nicht-keramische Werkstoffe. Seit 1989 ist dieser Bereich insbesondere durch das Objektgeschäft kontinuierlich angewachsen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wäre es nicht denkbar, dieses Material auch für andere Segmente im Badbereich zu nutzen, z.B. Badmöbel oder auch Wandbekleidungen, also Einrichtung und ergänzender Innenausbau?

Herm: Auf jeden Fall. Jedoch muß der qualifizierte Top-Verarbeiter hier mit dem zuständigen Installationsbetrieb zusammenarbeiten. Durch die Know-how-Bündelung sind so neue, individuelle Problemlösungen realisierbar. Installateur und Top-Verarbeiter ergänzen sich damit optimal.

Technologische Eigenschaften Varicor®
Eigenschaften

Meßergebnisse

Dichte

1,75 0,05 g/cm3

Elastizitätmodul

9000 500 N/mm2

Biegefestigkeit (12-mm-Tafel)

50 5 N/mm2

Druckfestigkeit

115 10 N/mm2

Schlagzähigkeit (12-mm-Tafel)

6,5 KJ/m2

Schlagfestigkeit Kugelfall 450 g
(12-mm-Tafel)

kein Bruch bei 100 cm Fallhöhe

Härte Barcol

60/55 5

Ritzfestigkeit Erichsen geschliffene Fläche

0,1 N

Wärmeleitfähigkeit bei 20C: l-Wert

1,3 W/m K

Formbeständigkeit bei Wärme 60
bei konstant 55C,
60 bei konstant 90C

keine meßbare Veränderung
1,0 0,2 mm Absenkung

Kalt-/Heißwasserwechseltest
(15 - 85C, mehr als 5000 Zyklen)

keine Veränderung

Längenänderung unter Wärmeeinfluß
Beständigkeit kochendes Wasser

0,05 mm/mC
keine sichtbare Veränderung

Beständigkeit trockene Hitze

keine sichtbare Veränderung

Beständigkeit Zigarettenglut

Schwerentflammbarkeit

keine Veränderung nach Entfernen der Teerrückstände
nach Bedingungen B 1

Feuer
Rauch

M 1
FO

Flammenausbreitung
Eignung DB-Waggonbau

Klasse 2
geeignet Einstufung 3-Q4-T4

Wetterbeständigkeit 8000 h
Lichtbeständigkeit UV-Xenon-Test nach 1000 h

keine Veränderung
keine Veränderung

Lebensmittelechtheit
Kontakt mit Lebensmitteln

physiologisch geeignet
für Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen

Bearbeitungsstaub toxikologisches Verhalten

gesundheitlich unbedenklich unter Einhaltung des allg. Staubgrenzwertes 6 mg/m3

DIN-Sicherheitsdatenblatt

keine gefährliche Zubereitung bei Beachtung der Verarbeitungsrichtlinien

Fugenfestigkeit bei Verklebungen

60 - 80% Materialfestigkeit

Fugendauerverhalten

keine Veränderung Kalt-/Warmwasserwechsel- und Dauertest


B i l d e r : Spectra, Vertriebsgesellschaft, Gaggenau
IKZ-Haustechnik


[Zurück]   [Übersicht]   [www.ikz.de]